Agilität 2.0

Zuweilen kann man den Eindruck gewinnen, dass Agilität die Antwort auf alle Fragen ist. Zumindest wird zuweilen suggeriert, dass durch die Anwendung agiler Methoden – und vor allem durch ein „agiles Mindset“, das Werte wie Offenheit und Lernbereitschaft umfasst – automatisch alle Probleme unserer Wirtschaft, unserer Arbeitswelt, ja sogar unserer Gesellschaft gelöst werden könnten. Dies aber ist ein Irrtum, meint Svenja Hofert. Die Beraterin hat das diesmalige Titelthema von managerSeminare verfasst und zeigt sich überzeugt: Agilität, wie sie in Organisationen derzeit meistens verstanden wird, kann diesem Anspruch nicht gerecht werden.

Agilität heißt nach aktueller Lesart vor allem, schnell und flexibel auf das Marktgeschehen zu reagieren und den Kunden im Fokus zu haben. Was bei dieser Lesart – Hofert nennt sie „Agilität 1.0“ – fehlt, ist ein Blick, der über das unmittelbare Reagieren und den Kundenfokus hinausreicht. Hofert plädiert daher für ein anderes Agilitätsverständnis, das sie Agilität 2.0 oder auch Postagilität nennt.

Ist es Zeit, Agilität auf das nächste Level zu heben?

Ihrer Ansicht nach ist es Zeit, Agilität auf das nächste Level zu heben. Die Silbe „post“ wählt sie bewusst, nicht, um Agilität zu verteufeln und das Ende des Konzepts auszurufen, sondern um dessen Grenzen zu verdeutlichen. Etwas kommt danach oder dazu, setzt allerdings das Vorherige nicht außer Kraft, sondern schließt es mit ein. So verstanden verabschiedet sich Postagilität nicht von Grundsteinen der Agilität wie Kundenzentrierung und agilen Werten, aber sie wächst darüber hinaus. Acht Einsichten zum Status quo der Agilität und dem, was daraus werden kann, liefert Hofert im Beitrag „Die postagile Arbeitswelt“.

Die Arbeitswelt ist nicht das, wofür wir sie halten: der Ort unserer Selbstverwirklichung. Davon ist der Philosoph Michael Andrick überzeugt. Seine Sicht: Wer den Ehrgeiz hat, beruflich voranzukommen, muss funktionieren, statt zu reflektieren. Muss anderen gefallen, statt sich eigenständige Gedanken zu machen. Seine These: Je professioneller wir agieren, also je mehr wir es schaffen, uns auf die Regeln unseres Jobs einzulassen und andere Erwägungen, die über das Zweckrationale hinausgehen, dabei außer Acht zu lassen, umso sicherer ist uns die Anerkennung anderer – unserer Organisation, unserer Führungskraft, unserer Kollegen, der Gesellschaft. Im Beitrag „Gefährliche Professionalität“ hinterfragt Andrick unsere Existenzweise im industriellen System. Dabei gelangt er zu einer beunruhigenden Einsicht: In unserer ehrgeizig ausgeübten Professionalität sind wir in der Gefahr, uns als moralische Individuen zu verlieren.
 
Viel Spaß beim Lesen der neuen Ausgabe! Die weiteren Themen lauten übrigens:

 

 


Der Beitrag wurde geschrieben von

Nicole Bußmann
Nicole Bußmann, Chefredakteurin im Verlag managerSeminare, Bonn.
19.03.2021
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