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Arbeitswelt und Moral
Arbeitswelt und Moral

Gefährliche Professionalität

Der Philosoph Michael Andrick ist überzeugt: Die Arbeitswelt ist nicht das, wofür wir sie halten: der Ort unserer Selbstverwirklichung. Wer den Ehrgeiz hat, beruflich voranzukommen, muss vielmehr funktionieren, statt zu reflektieren. Muss anderen gefallen, statt sich eigenständige Gedanken zu machen. Andrick hinterfragt unsere Existenzweise im industriellen System – und gelangt dabei zu einer beunruhigenden Einsicht: In unserer ehrgeizig geübten Professionalität sind wir in der Gefahr, uns als moralische Individuen zu verlieren.

Preview

Das Rätsel unserer Normalität: Wie wir mit legaler Arbeit viel Elend in die Welt bringen

Navigieren wie Fledermäuse: Wie wir uns in der modernen Gesellschaft von außen leiten lassen

Erlösung durch Arbeit: Woher unsere Motivation für den ständigen Wettlauf um Erfolg kommt

Beruhigender Gehorsam: Warum uns unser professionelles Tun im Job eine moralische Falle stellt

Alternative zum gedankenlosen Funktionieren: Worauf es am Ende ankommt


Cover managerSeminare 277 vom 23.03.2021Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 277

Unser Leben ist seltsam. Denn eigentlich wollen wir das Gute. Wir arbeiten fleißig, professionell und ehrgeizig in unseren Berufen. Aber abends zu Hause angekommen, sehen wir in den Abendnachrichten eine Welt, die wir so nie gewollt haben. Eine Welt voll sozialer Ungleichheit, Kriege und Umweltzerstörung. Warum geschieht in der Welt so vieles, das die einzelnen Menschen je für sich verabscheuen und bedauern?

Diese Frage ist der Grund, warum ich Philosoph und Historiker wurde. Aber ich wollte nicht in den akademischen Elfenbeinturm, also machte ich eine bescheidene Karriere in der Wirtschaft. Feierabends forschte und schrieb ich, um die penetrante alte Frage mithilfe all der neuen Erfahrung zu beantworten. Und die Antwort, die ich gefunden habe, lautet: Entscheidend für des Rätsels Lösung ist, was die moderne Arbeitswelt mit uns anstellt.

Gewissenlose Betriebsamkeit ist unsere Normalität

In der Summe vieler kleiner Handlungen exekutieren wir in der industrialisierten Welt jeden Tag eine gewissenlose Betriebsamkeit. Gewissenlos deshalb, weil wir es bei aller individuellen Besorgnis doch kollektiv sehr routiniert schaffen, die ökologische Katastrophe und die strukturellen Ungerechtigkeiten der Weltwirtschaftsordnung zu ignorieren. Nehmen wir eine Stichprobe ... Was hat nicht alles in der Normalität unserer Industriegesellschaft Platz? Wir verwenden einen großen Prozentsatz unserer Wirtschaftstätigkeit auf systematisches Aufbauschen und Irreführen (Marketing) und überfluten dabei zum Beispiel Kleinkinder mit Werbung für gesundheitsschädliche „Lebensmittel“. Wir erfinden Papiere, mit denen wir auf den Wertverfall genau der Papiere spekulieren, die wir den Bankkunden gestern noch als Geldanlage verkauft haben. Wir produzieren tonnenschwere Blechkonstruktionen mit Verbrennungsmotoren, mit denen dann einzelne Personen herumfahren. Wir fluten den Markt mit nie verrottenden Wegwerfprodukten, die die Ozeane zumüllen; und damit sind nur wenige Symptome angerissen.

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