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Arbeitswelt und Moral
Arbeitswelt und Moral

Gefährliche Professionalität

Der Philosoph Michael Andrick ist überzeugt: Die Arbeitswelt ist nicht das, wofür wir sie halten: der Ort unserer Selbstverwirklichung. Wer den Ehrgeiz hat, beruflich voranzukommen, muss vielmehr funktionieren, statt zu reflektieren. Muss anderen gefallen, statt sich eigenständige Gedanken zu machen. Andrick hinterfragt unsere Existenzweise im industriellen System – und gelangt dabei zu einer beunruhigenden Einsicht: In unserer ehrgeizig geübten Professionalität sind wir in der Gefahr, uns als moralische Individuen zu verlieren.
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Inhalt:
  • Das Rätsel unserer Normalität: Wie wir mit legaler Arbeit viel Elend in die Welt bringen
  • Navigieren wie Fledermäuse: Wie wir uns in der modernen Gesellschaft von außen leiten lassen
  • ​Erlösung durch Arbeit: Woher unsere Motivation für den ständigen Wettlauf um Erfolg kommt
  • Beruhigender Gehorsam: Warum uns unser professionelles Tun im Job eine moralische Falle stellt
  • Alternative zum gedankenlosen Funktionieren: Worauf es am Ende ankommt
Zentrale Botschaft:
​Soziale Ungleichheit, menschliche Ausbeutung, die ökologische Katastrophe – all das sind Dinge auf der Welt, die die wenigsten von uns haben und schon gar nicht persönlich verantworten wollen. Aber wir verantworten sie. Als Mitglieder unserer Industriegesellschaft stricken wir in unseren – eigentlich seriösen – Jobs am Elend der Welt mit. Das Seltsame ist: Wir fühlen uns gut dabei. Wenn wir ehrgeizig Erwartungen erfüllen, die in der Arbeitswelt an uns herangetragen werden, erleben wir ein Gefühl vollkommener Rechtschaffenheit. Je professioneller wir agieren, also je mehr wir es schaffen, uns ganz auf die Regeln unseres Jobs einzulassen und andere Erwägungen, die über das Zweckrationale hinausgehen, dabei außer Acht zu lassen, umso sicherer ist uns die Anerkennung anderer – unserer Organisation, unserer Führungskraft, unserer Kollegen, der Gesellschaft. Das heißt, auf der Suche nach Erfolg konzentrieren wir uns darauf, fremde Maßstäbe zu erfüllen. So sehr, dass für eigene moralische Überlegungen kein Platz mehr bleibt. Kurz: Wir funktionieren, statt die Dinge infrage zu stellen. Der Artikel geht der Frage nach, warum wir das tun – und wie wir aus unserer moralischen Anästhesie herauskommen könnten.
 
Extras:
  • Tutorial: Reflektieren statt funktionieren
  • Mehr zum Thema
 
Autor(en): Michael Andrick
Quelle: managerSeminare 277, April 2021, Seite 60-67
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