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Planet Mars, August 2045: Mira steckt mitten in ihrer Abschlussprüfung, als ihre KI-Begleiterin ihr die perfekte Lösung anbietet. Mira löscht den Vorschlag, sie hat einen eigenen Lösungsweg im Kopf. Später erfährt sie, dass ihr Ergebnis falsch ist. Die Jury lobt sie dennoch. Für ihr Vorgehen: Denn wer lernen will, muss manchmal die bequemste Lösung ausschlagen.
Die Szene stammt aus einem Gedankenexperiment von Christian Gauß-Kuntze und der BDVT-Fachgruppe „Neues Lernen“. Sie haben sich bewusst auf einen anderen Planeten und in die Zukunft versetzt, um mit Abstand eine längst begonnene Entwicklung zu reflektieren: Je passender und individueller Lernsysteme werden, desto mehr geht etwas verloren, das sie Reibung nennen – die produktive Energie aus Ausprobieren, Irrtum und Widerspruch, ohne die aus Wissen keine Kompetenz wird.
20 Jahre der Gipfel! Am 23./24. April 2027 feiern die PTT Jubiläum. Das 20. Gipfeltreffen der Weiterbildung steht unter dem Motto „Learnruption“. Tickets gibt es hier: petersberger-trainertage.de
Das Problem dabei, nicht erst 2045, sondern schon heute: Generative KI kann genau jene kognitive Arbeit abnehmen, an der Menschen bislang ihr Urteilsvermögen geschärft haben – recherchieren, abwägen, entscheiden. Für Learning & Development in den Unternehmen ergibt sich damit eine paradoxe Herausforderung: das Lernen unter Nutzung aller gegebenen Möglichkeiten – wie vor allem KI sie bietet – weiter zu verbessern und dabei sicherzustellen, dass es nicht „reibungslos“ läuft. Mehr dazu in diesem Beitrag.
Nur: Wo lässt sich diese Reibung in Unternehmen verankern? Lena Brandt, Nicklas Philip Kinder und Eva Maria Danzer zeigen in diesem Artikel: Erst ein durchdachtes Fundament aus Kompetenzmodell und Lernprinzipien schafft die Stabilität, in die sich Umwege und Widerstand gezielt einbauen lassen. Der Clou: Struktur ist keine Bremse für Freiheit, sondern ihre Voraussetzung. Ob diese Freiräume in der Praxis ankommen, zeigt allerdings kein Blick aufs Gesamtsystem. Ein Mittelwert für „die“ Lernkultur eines Unternehmens täuscht fast immer, sind Anja P. Schmitz, Timo Kortsch und Rabea Germanus überzeugt. Erst wer auf einzelne Abteilungen und Erfahrungen heranzoomt, sieht, wo Lernen stattfindet, wo und wann es gebremst wird. Mehr dazu lesen Sie hier. Wie sich Lernen gestalten lässt, das sowohl Reibung ermöglicht, Freiheit bietet und KI nutzt, erklären Jan Foelsing und Matthias Wiencke in diesem Beitrag: Beim sogenannten Vibe Learning übernehmen die Lernenden selbst die Steuerung, sie folgen ihren eigenen Interessen statt einem vorgefertigten Kurs. Dabei verschmelzen Fachwissen, Reibung durch den Austausch mit anderen und der Umgang mit KI.
Die vier erwähnten Beiträge bilden den diesmaligen Schwerpunkt „Zukunft des Lernens“. Viel Spaß bei der Lektüre und viel Erkenntnisgewinn, auch bei den weiteren Texten.
Beitrag von Nicole Bußmann aus managerSeminare 343, Oktober 2026