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„Zoom Fatigue“, „Decision Fatigue“, „Compassion Fatigue“ – kaum ein Gesundheitsbegriff wird derzeit so inflationär verwendet wie Fatigue. Das nährt die Vorstellung, es handle sich um eine Art Modeerschöpfung, die ein entspanntes Wochenende schon wieder behebt. Tatsächlich aber bezeichnet klinische Fatigue etwas ganz anderes: eine tiefgreifende Erschöpfung, die nach Krebs, Long Covid oder anderen schweren Erkrankungen auftritt und sich nicht einfach wegschlafen lässt.
Das Gipfeltreffen der Weiterbildung feiert Jubiläum: Am 23./24. April 2027 finden die PTT in Königswinter bei Bonn zum 20. Mal statt. Das Motto: „Learnruption – Lernwandel(n) für die Zukunft“. Tickets gibt es hier: petersberger-trainertage.de
Diese Verwechslung ist kein Einzelfall. Gesundheitsmanagement wird seit Jahren verniedlicht und trägt Etiketten, die dem Thema und der Aufgabe für Unternehmen nicht gerecht werden: Feelgood Management, Wellness, Wohlfühlkultur ... Was derart harmlos klingt, gerät in Sparrunden fast automatisch unter den Radar – ein Reflex, der sich in der aktuellen Wirtschaftskrise wieder gut beobachten lässt. Dabei bräuchten Beschäftigte angesichts wachsenden Anpassungsdrucks durch Rezession, gesellschaftlichen Wandel und den KI-Umbruch nicht weniger, sondern mehr Unterstützung. Und zwar eigentlich auch eine individuellere als bisher.
Wo genau Beschäftigte gerade an ihre Grenzen kommen, zeigt sich selten sofort. Wird Feelgood Management gestrichen, zeigt sich das zunächst kaum: Sinkende Bindung oder abwandernde Leistungsträger sind Folgen, die erst mit Verzögerung sichtbar werden. Wir widmen mit dieser Ausgabe dem Thema Gesundheit daher einen eigenen Schwerpunkt mit vier Texten, die zeigen, woran es in Unternehmen hakt und was sich dagegen tun lässt.
Wie sich Fatigue am Arbeitsplatz erkennen und richtig ansprechen lässt, beschreibt unser Text „Mehr als nur müde“ anhand der vier Dimensionen der Erschöpfung – körperlich, kognitiv, emotional, sozial – und liefert konkrete Formulierungshilfen für das Gespräch mit Betroffenen. Eine ähnlich unterschätzte Gruppe steht im Fokus von „Älteren gesund begegnen“: Beschäftigte zwischen 50 und 65 tragen eine Mischung aus körperlichen, privaten und beruflichen Belastungen mit sich und schweigen aus gelernter Zurückhaltung meist darüber. Der Text zeigt, wie Führung, PE und BGM gegensteuern können, ohne die Betroffenen bloßzustellen. Warum solches Schweigen System hat, erklärt Psychologin Silke Franzen im Interview „Abnehmen statt wegsehen“: Jede und jeder trägt „unsichtbares Gepäck“ mit zur Arbeit. Das wird meist entweder nicht wahrgenommen oder fehlgedeutet, weshalb Organisationen die Dimension individueller Belastung chronisch unterschätzen. Was das strukturell bedeutet, führt schließlich „Nice-to-have war gestern“ zusammen: Der Text zeigt, warum Feelgood Management gerade jetzt kein Sparposten, sondern eine Resilienz-Investition ist.
Viel Erkenntnisgewinn, bleiben Sie gesund und belastbar!
Beitrag von Nicole Bußmann aus managerSeminare 344, November 2026