Management

Feelgood Management in der Krise
Feelgood Management in der Krise

Nice-to-have war gestern

In der Krise suchen Unternehmen nach Sparpotenzialen – und finden sie in People-Themen, die keinen unmittelbaren finanziellen Nutzen fürs Business haben. Doch beim Feelgood Management blind zum Kahlschlag auszuholen, ist keine gute Idee. Denn es erfüllt menschliche Bedürfnisse, die zu missachten unklug wäre. Wer sparen will, nutzt die Krise besser als Chance, sich zu fragen: Was am eigenen Feelgood Management ist nur „nice to have“ und was ist unverzichtbar, um mit psychisch stabilen, leistungsstarken Mitarbeitenden in die Zukunft gehen zu können?

Preview

Breit gestreut: Worauf Feelgood Management abzielt

Konjunktursensibel: Wie Feelgood durch Krisen ins Abseits gerät – oder in den Fokus kommt

Motiviert und mental gesund durch die Krise: Welchen Wert eine Wohlfühlkultur in Krisen hat

KI und der People-Faktor: Wieso Künstliche Intelligenz menschliches Wohlbefinden braucht

Kluge Optimierung statt Kahlschlag: Wie das Feelgood Management vom Kosten- zum Erfolgsfaktor wird


Cover managerSeminare 344 vom 30.10.2026Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 344

Ina Kuhn (Name geändert) hat ihn erlebt – den Worst Case eines jeden engagierten Mitarbeiters: Bis zu ihrem Ausscheiden im Sommer vergangenen Jahres hat sie viele Jahre lang als Feelgood Managerin in einem zukunftsorientierten Bereich in der Medienbranche gearbeitet. In all den Jahren war sie überzeugt, einen „ganz tollen Arbeitgeber“ zu haben. Bis es mit Pandemie, Wirtschaftskrise und, wie sie sagt, „unter dem Deckmantel“ der digitalen Transformation zu einem radikalen Paradigmenwechsel in der Unternehmenskultur kam. „Es war ein schlagartiger Wechsel von menschenorientierter Führung zur rein finanzgetriebenen Steuerung“, so Kuhns Eindruck. Gestrichen wurde alles, was den Faktor Mensch unterstützt hatte. Also alles, was auf Motivation, Vertrauen, Nachhaltigkeit und Diversität ausgerichtet war. In der Folge wurde Kuhns Rolle strategisch geleert, wurden Projekte gestoppt, Budgets eingefroren . Letztlich fiel ihre gesamte Abteilung, einschließlich ihrer eigenen Stelle, einer der radikalen Kündigungswellen zum Opfer, die durchs Unternehmen rollten.

„Was über viele Jahre mit Herzblut aufgebaut wurde, wurde innerhalb kürzester Zeit entwertet“, sagt Kuhn. Von ehemaligen Kollegen weiß sie, dass nun „eine Kultur der Kontrolle und der Angst“ in der Firma herrscht. Kaum jemand wage es noch, Ideen zu äußern oder Projekte anzustoßen, da jeder Fehler das Ende für den Job bedeuten könnte: „Das Herz des Unternehmens, das Betriebssystem ist verloren gegangen – die Belegschaft wurde in einen Überlebensmodus katapultiert.“

Durch ihr Engagement in bundesweiten Fachnetzwerken für moderne Arbeitswelt weiß Ina Kuhn: Was sie erlebt hat, ist ein Extrem-, aber kein Einzelfall. Zwar sieht sie auch in der derzeitigen Wirtschaftskrise noch viele Positivbeispiele – Unternehmen, die gerade jetzt Wert auf den People-Faktor legen. Sie finden sich nicht zuletzt in den vom Fachkräftemangel stark betroffenen Branchen wie Gastronomie und Pflege. Aber, so Kuhns Beobachtung: „Die Bereitschaft, in Kultur zu investieren, nimmt bei vielen Entscheidern ab, je länger die Wirtschaftskrise andauert.“

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