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Beitrag von Jörg-Peter Schröder aus managerSeminare 344, November 2026
Sandwich-Generation: Warum 50- bis 65-Jährige in einer anspruchsvollen Lebensphase sind
Das stumme Durchhalten: Weshalb Belastungen am Arbeitsplatz meist unter dem Deckel bleiben
Absichtsloser Ageism: Wie die Altersdiskriminierung einen toxischen Kreislauf begründet
Mehr als Diversity: Inwieweit Age Inclusion auch ein Thema der Corporate Health ist
Health-Hebel: Wie Organisationen die Gesundheit und Leistung älterer Mitarbeitender fördern
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 344
Renate M., 57 Jahre alt, sitzt im wöchentlichen Projektmeeting. Während die Abteilungsleiterin die Quartalszahlen präsentiert, ploppen Chat-Nachrichten auf ihrem Bildschirm auf, das Smartphone vibriert, und eine Kollegin stellt Fragen zur neuen Software. Früher hätte sie all das mühelos parallel verarbeitet. Heute spürt sie, wie anstrengend die Vielzahl der Reize geworden ist. Kompetenz und Erfahrung sind nicht ihr Problem, vielmehr hat Renate mit den Folgen der Wechseljahre zu tun: Sie hat Hitzewallungen, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, besonders heute. Als sie im Meeting eine Funktion der neuen Software nicht sofort findet, sagt ein Kollege scherzhaft: „Ja, diese Software ist halt mehr was für die Gen Z.“ Die Runde lacht. Renate lächelt mit. Doch der Satz bleibt hängen.
Was wie eine harmlose Begebenheit klingt, steht exemplarisch für die Situation vieler Beschäftigter in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens: Sie haben mit spezifischen Herausforderungen zu tun, die sie psychisch und körperlich belasten. Doch dies wird in vielen Unternehmen nicht thematisiert. Altersbedingte Erschwernisse gelten als Privatangelegenheit – diese Ansicht hat sich festgesetzt. Verbunden mit der Einstellung, dass Ältere nach wie vor genauso zu arbeiten und zu funktionieren haben wie in jungen Jahren – und einen Makel haben, wenn sie es nicht tun. Häufig werden Ältere sogar subtil abgewertet: Sie erfahren „Ageism“, d.h. eine bewusste oder unbewusste Benachteiligung aufgrund ihres Alters.
Genau hier ist die Reißleine zu ziehen. Wir müssen dringend zu einem gesünderen Verständnis in Bezug auf ältere Mitarbeitende und den organisationsinternen Umgang mit ihnen finden. Denn all die „Päckchen“, die ältere Mitarbeitende zu tragen haben, sind alles andere als nur ein persönliches Thema, das Betroffene ausschließlich allein für sich regeln müssen. Organisationen tragen dazu bei, wie es den älteren Mitarbeitenden bei der Arbeit geht – und schaden sich selbst, wenn sie ihnen keine Unterstützung bieten, sondern die Situation der Betroffenen im Gegenteil durch fehlinduziertes Verhalten zusätzlich belasten. Finden bestehende Gesundheitsprobleme keine Abhilfe, drohen auf Dauer höhere Fehlzeiten. Auch wird das Leistungspotenzial der Älteren nicht ausgeschöpft, wenn ihre Bedürfnisse unberücksichtigt bleiben. Ist auch noch Ageism im Spiel, sind nicht nur die demokratischen Prinzipien, die im Arbeitsleben selbstverständlich sein sollten, auf den Kopf gestellt. Sondern die Altersdiskriminierung kann schwerwiegende toxische Folgen haben: Sie führt zur Verunsicherung der Betroffenen und löst zusätzlichen Stress aus, der neue Krankheiten hervorrufen oder bestehende verstärken kann.