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Anfangs fühlte sich Künstliche Intelligenz noch an wie ein neuer Taschenrechner oder eine bessere Suchmaschine, jedenfalls wie ein Werkzeug. Man stellte ihr eine Frage oder Aufgabe, sie lieferte eine Antwort. So kann man KI natürlich immer noch nutzen, aber zunehmend zeigt sie ein weiteres Gesicht: KI übernimmt nicht nur Aufgaben, sondern sogar Rollen – mit eigener Verantwortung, eigenen Zuständigkeiten, einem eigenen Platz in der Organisation. Aus dem Werkzeug wird ein Akteur.
Was das für Führung bedeutet, ist das Schwerpunktthema dieser Ausgabe. Stephanie Markstahler beleuchtet hybride Teams: In diesen werden KI-Agenten zu Mitgliedern bestehender Teams und berichten etwa im Meeting wie jede Kollegin. Für Führungskräfte bedeutet das: Rollen, Standards und Entscheidungsrechte müssen so präzise definiert werden, wie es ein KI-Agent braucht, der nicht wie Menschen zwischen den Zeilen lesen kann. Diese Präzision, so Markstahler, überträgt sich auf die gesamte Führungsarbeit. Führung wird dadurch nicht unmenschlicher, sondern klarer, ist die These der Führungskräfteentwicklerin, nachzulesen in diesem Artikel.
„Learnruption – Lernwandel(n) für die Zukunft“. So lautet das Motto der #PTT2027, die am 23./24. April ihr 20-jähriges Jubiläum feiern und damit ein neues Stück Weiterbildungsgeschichte schreiben. Lust, mitzuschreiben? Tickets gibt es hier: petersberger-trainertage.de
Der Organisationspsychologe Niels Van Quaquebeke sieht ein Szenario aufziehen, in dem sich einzelne Wissensarbeitende eigene Teams aus KI-Agenten aufbauen und so zu deren Managerinnen und Managern werden. Mit Verantwortung für Strategie, Koordination und Kontrolle – Aufgaben, die bislang auf das Top-, das mittlere und das operative Management verteilt waren. Der Leadership-Experte nennt das die Renaissance des Managements und prophezeit großen Weiterbildungsbedarf bei den so entstehenden Multi-Level-Managern. Mehr in diesem Beitrag.
Ob als Teammitglied oder als eigenes Führungsobjekt: In beiden Fällen verlangt KI von den Menschen, die mit ihr arbeiten, explizit zu machen, was in menschlichen Teams oft unausgesprochen bleibt. Dass diese Verschiebung nicht bei Rollen und Prozessen endet, zeigt Sebastian Rosengrün: Wer als kompetent gilt, wessen Urteil Gewicht hat, welche Werte im Alltag noch zählen – all das steht neu zur Debatte, sobald KI nicht mehr nur unterstützt, sondern mitentscheidet. Eine KI-Strategie ohne soziale Strategie, so die These des KI-Beraters in diesem Artikel, ist deshalb kein Plan, sondern ein Risiko.
Wie weit die Verschiebung reicht, zeigt sich schließlich sogar dort, wo man KI vielleicht gar nicht als Akteur vermuten würde: im Kopf der Führungskraft. Psychologe Axel Schweickhardt beschreibt in seinem Beitrag, wie leicht KI bei Führungsfragen zum bloßen Echo der eigenen Vorurteile wird, wenn man sie unreflektiert befragt. Ein weiteres Indiz dafür, dass aus dem Werkzeug längst ein Gegenüber geworden ist, mit dem man umgehen lernen muss.
Beitrag von Nicole Bußmann aus managerSeminare 342, September 2026