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Beitrag von Axel Schweickhardt aus managerSeminare 342, September 2026
Beobachtung und Interpretation trennen: Was genau habe ich beobachtet und was habe ich daraus gemacht?
Ursachenhypothesen entwickeln: Welche Erklärungen sind plausibel?
Gegenhypothesen prüfen: Was spricht gegen meine bevorzugte Erklärung?
Führungsmodelle einbeziehen: Welches Menschenbild steckt in der Empfehlung?
Risiken der Intervention untersuchen: Bei wem hilft diese Maßnahme und bei wem macht sie es schlimmer?
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 342
Ein Mitarbeiter zeigt seit Wochen nicht die erwartete Leistung. Auf kritische Rückmeldungen reagiert er empfindlich. Im Gespräch sagt er: „Ich funktioniere am besten, wenn ich gelobt werde.“ Was tun? Wer als Führungskraft eine solche Situation einer generativen KI schildert, erhält innerhalb weniger Sekunden schlüssige Handlungsempfehlungen. Die können durchaus weiterhelfen. Genauso gut können sie jedoch ins Leere laufen oder die Situation sogar verschärfen.
Das Problem liegt dabei nicht bei der KI, sondern bei uns Menschen – genauer gesagt bei unserem natürlichen Hang, komplexe Situationen unmittelbar zu interpretieren. Wir beschreiben sie nur selten anhand reiner Beobachtungen. Automatisch ordnen wir ein, ziehen Schlussfolgerungen und entwickeln Erklärungen für beobachtetes Verhalten. Allerdings liegen wir mit diesen spontanen Interpretationen häufig daneben – gerade im Führungskontext, weil wir dort selbst Teil der Situation sind. Was wie mangelnde Motivation aussieht, kann ebenso Überforderung sein. Was als Kritikempfindlichkeit erscheint, kann Ausdruck von Unsicherheit oder Scham sein. Was als fehlende Verantwortungsbereitschaft interpretiert wird, kann auf unklar formulierten Erwartungen beruhen.
Die KI wird zwischen Beobachtungen und Interpretationen jedoch nicht unterscheiden. Sie behandelt beide gleichermaßen als Fakten und arbeitet mit dem, was wir ihr liefern. Geben wir ihr einen falschen oder zu engen Denkrahmen vor, sucht sie nicht nach einem besseren. Vielmehr entwickelt sie innerhalb dieses Denkrahmens die plausibelsten Handlungsempfehlungen. Genau deshalb wirken ihre Antworten häufig so überzeugend: Sie bestätigen unseren Denkrahmen, strukturieren ihn und führen ihn konsequent weiter – und uns so möglicherweise auf einen Lösungsweg, der am eigentlichen Führungsproblem vorbeiläuft.