Hybrid Leadership

Brückenbauer Führung

Seit Beginn der Corona-Krise macht ein Begriff besonders Karriere: hybrid. War vormals der Begriff vor allem konnotiert mit dem Antrieb von Fahrzeugen, denkt man aktuell im Management und in der Personalentwicklung vor allem an die Verschmelzung der virtuellen mit der physischen Welt, wie sie aktuell in Meetings und Konferenzen geschieht. Hybrid könnte jedoch auch ein guter Begriff sein, um die aktuellen Anforderungen an Führung zu beschreiben, sind die Autoren unseres diesmaligen Titelthemas, Frank Bischoff und Christian Heiss, überzeugt.

Beitrag von Nicole Bußmann

„Hybrid“ bedeutet „gebündelt“ oder „gekreuzt“. In technischen Branchen geht es bei Hybrid-Lösungen darum, zwei meist sehr unterschiedliche Systeme durch schlaue Brückentechnologien zu verbinden. Übertragen auf Führung würde die „intelligente Technologie“ die Brücke sein zwischen den Anforderungswelten, denen sich Führungskräfte aktuell gegenübersehen. Auf der einen Seite stehen die Anforderungen des Neuen Arbeitens, die sich vor allem aus den Megatrends der Arbeitswelt ergeben: Digitalisierung, Dynamisierung, Diversifizierung und Demokratisierung. Auf der anderen Seite finden sich die klassischen Führungsanforderungen wie die Erzeugung von Stabilität und die Schaffung von Klarheit. Diese verschwinden mit dem Wandel der Arbeitswelt nämlich nicht einfach – wie die New-Work-Diskussion manchmal implizit glauben machen will –, denn sie sind eng mit menschlichen Grundbedürfnissen verknüpft, etwa dem nach Kontrolle oder dem nach Bindung. Hybride Führung beschreibt demnach eine Art und Weise zu führen, die beide Seiten nicht nur im Blick hat, sondern sie idealerweise sogar klug miteinander verbindet.

Kassandra von Troja war dazu verflucht, dass sie die Zukunft vorhersagen konnte – aber niemand ihren Weissagungen Glauben schenkte. Solche vergeblichen Warner gibt es auch außerhalb der Mythologie. So hätte die Corona-Pandemie wahrscheinlich früher eingedämmt werden können, wären frühe Warnzeichen nicht ignoriert worden. Auch in der Unternehmenswelt gibt es viele Beispiele für Krisen, die – im Nachhinein betrachtet – vermeidbar gewesen wären, hätte man auf die richtigen Leute gehört. Die Schwierigkeit dabei ist freilich, zu erkennen, wer diese richtigen Leute sind. Denn neben Kassandras gibt es auch Unken und Narzissten. Wie also unterscheidet man ernst zu nehmende Mahner von Bremsern und Nörglern? Und wie können Unternehmen ihre Vorhersagen nutzen, um sich für unerwartete Entwicklungen zu wappnen? Nachzulesen im Beitrag von Chris Böhler.

Viel Spaß beim Lesen und viel Erkenntnisgewinn! Das gesamte Heft gibt es hier zum Download!
18.09.2020 | Von Redaktion
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