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Ursprünglich für den Schulunterricht entwickelt, lassen sie sich gut auf die Erwachsenenbildung übertragen – und zeigen dabei, dass die Grundprinzipien nachhaltiger Didaktik über alle Altersstufen hinweg erstaunlich ähnlich sind.
1. Prinzip: Lernen ist ein physiologischer Vorgang
Lernen ist an organische Wachstumsprozesse gebunden: Synapsen werden gebildet, verstärkt, abgeschwächt oder eliminiert. Das braucht Zeit – wie jedes organische Wachstum. Für die Praxis bedeutet das: Lieber wenige Inhalte wählen und diese dafür umso intensiver bearbeiten, als viel Stoff oberflächlich zu behandeln.
2. Prinzip: Das Gehirn ist sozial
Menschen lernen in sozialen Umgebungen wirksamer. In Gruppen, mit denen wir uns verbunden fühlen, sind wir motivierter und lernen leichter. Trainerinnen und Trainer sollten deshalb zu Beginn bewusst Zeit investieren, um eine gute Beziehung zu den Teilnehmenden und zwischen den Teilnehmenden aufzubauen. Ebenso wichtig: Die Inhalte sollten zum sozialen Umfeld der Lernenden passen.
3. Prinzip: Die Suche nach dem Sinn ist angeboren
Das menschliche Gehirn sucht immer nach Sinn und Bedeutung und kann nur das verarbeiten, was an die aktivierten neuronalen Netzwerke anknüpft. Menschen lernen daher besser, wenn der Lernstoff für ihre Lebenssituation, ihre Bedürfnisse und Motive Sinn ergibt. Trainerinnen und Trainer sollten bei der Auftragsklärung schon nach dem Sinn der Weiterbildung fragen.
4. Prinzip: Sinnsuche geschieht durch die Bildung von (neuronalen) Mustern
Neue Erkenntnisse und Erfahrungen müssen mit dem vorhandenen Wissen verknüpfbar sein, damit sie sinnvoll und nachhaltig verankert werden können. Für Trainerinnen und Trainer bedeutet dies, das Vorwissen zu aktivieren und auf den vorhandenen Erfahrungen aufzubauen.
5. Prinzip: Emotionen sind wichtig für die Musterbildung
Langfristiges Lernen wird durch emotionale Beteiligung ermöglicht. Entscheidend ist, dass Teilnehmende spüren, welche Probleme oder Belastungen sie durch den Lernprozess ablegen können und welche Bedürfnisse und Wünsche sich dadurch erfüllen lassen. Das können Trainerinnen und Trainer ihnen nicht einfach erklären: Die Teilnehmenden müssen es für sich selbst erarbeiten.
6. Prinzip: Das Gehirn verarbeitet Informationen in Teilen und als Ganzes gleichzeitig
Wer die Zusammenhänge zwischen Details und dem großen Ganzen versteht, kann sich Inhalte besser einprägen. Im Seminar sollte deshalb regelmäßig zwischen dem Überblick und der Detailarbeit gewechselt werden – beides gehört zusammen.
7. Prinzip: Lernen erfolgt sowohl durch gerichtete Aufmerksamkeit als auch durch periphere Wahrnehmung
Das Prinzip bezieht sich auf die vielen unbewussten Prozesse, die auf das Lernen einwirken. Das betrifft die Lernumgebung als auch die Person, die den Lernstoff vermittelt. Ein freundlich gestalteter Seminarraum wirkt sich positiv auf die Lernatmosphäre aus, ebenso die Art wie die Trainerin oder der Trainer auftritt.
8. Prinzip: Lernen geschieht sowohl bewusst als auch unbewusst
Dieses Prinzip überlappt sich mit dem vorigen Prinzip, jedoch liegt der Fokus auf die Lernvorgänge. Die Gehirnforschung hat gezeigt, dass gute Entscheidungen oder Ideen Zeit brauchen: Nach der (bewussten) Informationsphase sollte idealerweise eine völlig andere Tätigkeit folgen, die wenig Bezug zur eigentlichen Aufgabe hat und eher anspruchslos ist. In dieser Zeit arbeiten assoziative Prozesse im Gehirn, sog. „Inkubationszeiten“, die durch das Gefühl einer auftauchenden Lösung beendet werden. Im Seminar können Entspannungsübungen diese Inkubationszeiten darstellen.
9. Prinzip: Es gibt mindestens zwei Arten von Gedächtnis
Das Lernen wird erfolgreicher, wenn Inhalte in verschiedenen Gedächtnismodulen abgelegt und miteinander verbunden werden. Bereits auf der Ebene der fünf Sinne wird modalitätsspezifisch gespeichert – weshalb es sich lohnt, Seminarinhalte über möglichst viele Sinneskanäle zu präsentieren. Besonders wirkungsvoll sind Übungen, die die Motorik einbeziehen, denn Bewegung stärkt die Speicherung von Erfahrungen erheblich.
10. Prinzip: Lernen ist entwicklungsabhängig
Bei Erwachsenen zeigen sich die Unterschiede weniger in Entwicklungsstufen als in unterschiedlichen Wissens- und Erfahrungshorizonten, Persönlichkeiten, Motiven und Reifegraden. Für Trainerinnen und Trainer ist deshalb relevant zu überlegen, ob ein Thema eher homogene oder heterogene Gruppen erfordert – etwa wenn generationenübergreifend Wissen weitergegeben werden soll.
11. Prinzip: Komplexes Lernen wird durch Herausforderungen gefördert, durch Angst und Bedrohung verhindert
Lernerfolge entstehen, wenn Seminare Herausforderungen bietet und zugleich motivierend und fördernd gestaltet sind. Eine vertrauensvolle Haltung der Trainerin oder des Trainers ist entscheidend. Wer auch eigene Misserfolge und Enttäuschungen teilt, wirkt glaubwürdiger und schafft eine Atmosphäre, in der Teilnehmende sich trauen, wirklich zu lernen.
12. Prinzip: Jedes Gehirn ist einzigartig
Jeder Mensch ist ein Individuum. Wenn es Trainerinnen und Trainern gelingt, im Seminar die Identitätsebene der Teilnehmenden zu erreichen, werden die Inhalte sinnstiftend. Aufgaben, die an der persönlichen Biografie und individuellen Kompetenzen ansetzen, laden zur Auseinandersetzung mit der eigenen Identität ein und erleichtern so die nachhaltige Integration neuer Inhalte ins eigene Verhalten.
Diese Prinzipien für gehirngerechtes Lernen in der Erwachsenenbildung finden Sie ausführlicher beschrieben in der Neuauflage "Neurodidaktik für Trainer" von Franz Hütter und Sandra Mareike Lang. Sie erhalten zu vielen Trainingsmethoden neurodidaktisches Hintergrundwissen, um Ihre Trainingsinhalte gehirnfreundlich zu gestalten.