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Was bleibt eigentlich noch von der klassischen Rolle der Trainerin, des Trainers, wenn ein Leitfaden fürs nächste Mitarbeitergespräch oder gar komplette Schulungskonzepte in Sekunden aus der KI kommen, komplett mit Erklärfilm und passender Grafik? Diese Frage treibt gerade viele in der Weiterbildungsbranche um, seit KI-Tools zum Alltag gehören und klassische Trainingsformate zunehmend unter Rechtfertigungsdruck geraten. Beantworten lässt sie sich aber nicht, indem man bei Training und KI-Vergleich stehen bleibt, zeigt Christian Gauß-Kuntze in seinem Beitrag. Er rät dazu, einen Schritt vorher anzusetzen und sich zu fragen, wie Lernen besser gelingt. Und da lohnt eine Unterscheidung, die in der Praxis oft übersehen wird: exploratives vs. exploitatives Lernen. Ersteres erschließt Neuland, zweiteres verfeinert Bestehendes. Die meisten Weiterbildungsanlässe in Unternehmen, so Gauß-Kuntze, sind exploitativ – Menschen wollen in ihrer aktuellen Rolle besser werden, nicht komplett neue Felder betreten. Und genau hier stoßen klassische, zeitlich entkoppelte Trainingsformate an ihre Grenzen, denn sie sind für Orientierung gemacht, nicht für Feinjustierung im eigenen Kontext. Trainierende stellt das laut Gauß-Kuntze vor eine strategische Entscheidung: sich weiterhin auf klassische Formate konzentrieren oder das eigene Profil um neue Rollen erweitern. Fünf zukunftsfähige Rollen stellt Gauß-Kuntze vor, u.a. auch die des Produzenten: Wer Lerninhalte künftig passgenau statt generisch gestalten will, greift dabei selbst auf KI zurück, um Erklärvideos, Fallbeispiele oder Reflexionshilfen zu erstellen. Mit einem entscheidenden Unterschied zum eingangs beschriebenen Szenario: Hier ist es das Kontextwissen der Trainierenden, das die KI überhaupt erst passgenau macht. Aus der vermeintlichen Konkurrenz wird so ein Werkzeug.
Die meisten Weiterbildungsanlässe in Unternehmen sind exploitativ – Menschen wollen in ihrer aktuellen Rolle besser werden, nicht komplett neue Felder betreten.
Auch abseits neuer Rollen ist KI für viele Trainerinnen, Berater und Coachs längst Werkzeug des Alltags: Konzepte, Präsentationen und Texte entstehen mit ihrer Hilfe wie selbstverständlich. Diese Selbstverständlichkeit trifft nun auf ein verbindliches Regelwerk: Seit dem 2. August 2026 sind aus den bislang eher deklaratorischen Vorgaben des EU AI Act sanktionsbewehrte Pflichten geworden. Wie umfangreich die Pflichten im Einzelfall ausfallen, hängt maßgeblich davon ab, wofür KI eingesetzt wird – von der eigenen Recherche bis zu automatisierten Entscheidungen über Menschen. Was das für den eigenen Arbeitsalltag konkret bedeutet, erklärt der Rechtsanwalt und systemische Coach Stefan Apfelbaum im Interview mit meiner Kollegin Janine Dengel.
Viel Spaß und Erkenntnisgewinn beim Lesen dieser Ausgabe und beim Einnehmen neuer zukunftsfähiger Rollen!