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Beitrag von Christian Gauß-Kuntze aus Training aktuell 08/26, August 2026
Nicht erst seit dem Aufkommen von ChatGPT wird vielen Weiterbildenden klar: Was wir in unserer Erstausbildung als Trainerinnen und Trainer gelernt haben, trägt nicht mehr durch ein ganzes Berufsleben. Dafür entsteht zu viel Neues, und das in einer Geschwindigkeit, die sich weiter erhöht. Wer nicht kontinuierlich weiterlernt, verliert den Anschluss. Eigentlich müssten es goldene Zeiten für Trainierende in der Weiterbildung sein. Doch ein Blick in die Praxis zeigt ein anderes Bild: Menschen lernen heute Sprachen mit Apps, die sich ihrem Niveau anpassen, Fehler analysieren und individuelles Feedback geben. Vertriebsgespräche werden mit KI-gestützten Avataren trainiert, die Verhalten auswerten und Verbesserungsvorschläge machen. Für nahezu jede konkrete Herausforderung im Arbeitsalltag lassen sich in Sekunden Lösungen finden, über Suchmaschinen, Communitys oder direkt über KI.
Schon vor einigen Jahren zeigte der „7th Annual Learning in the Workplace Survey“ von Jane Hart: Die am meisten geschätzten Lernformen am Arbeitsplatz sind praktische Erfahrung, Austausch im Team sowie digitale Ressourcen. Klassische Trainingsformate rangierten weit hinten. Das wirft eine grundlegende Frage auf, die in Zeiten von KI besonders an Relevanz gewinnt: Welche Rolle bleibt Trainierenden in einer Welt, in der Lernen jederzeit verfügbar ist?
Um diese Frage zu beantworten, hilft ein Perspektivwechsel. Nicht das Trainieren ist der Ausgangspunkt, sondern das Lernen. Ein zentraler Unterschied, der dabei oft unterschätzt wird, ist der zwischen explorativem und exploitativem Lernen. Exploratives Lernen findet statt, wenn Menschen Neuland betreten. Sie tasten sich vor, probieren aus, machen Fehler und entwickeln erste Hypothesen. Ziel ist Orientierung. Der Lernprozess ist offen, Ergebnisse sind nicht vollständig vorhersehbar. Exploitatives Lernen dagegen baut auf vorhandener Erfahrung auf. Es zielt darauf ab, bestehende Kompetenzen zu verbessern, Handlungssicherheit zu erhöhen und Wirksamkeit zu steigern. Der Kontext ist vertraut, die Herausforderung liegt in der Feinjustierung.