Editorial

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Starke Geschichten

Der Mensch ist ein Homo sapiens – ein vernünftiger, denkender Mensch. Überzeugen uns daher Fakten? Die Antwort muss ehrlicherweise „Jein“ lauten, denn was wir dabei gerne übersehen: Der Mensch ist mindestens ebenso sehr ein Homo narrans. Also ein Wesen, das Geschichten braucht, um die Welt zu verstehen. Das vergessen nur Führungskräfte gerne, wenn sie in der Präsentation die nächste Folie aufrufen. Dabei erzählen sie sowieso Geschichten – vielleicht nur nicht bewusst und oft auch nicht klug.

Narrative – so das Fachwort für eine sinnstiftende Erzählung – entstehen laufend und überall. In der Präsentation, in einer Rede oder im Meeting. Narrative stecken manchmal sogar in einzelnen Wörtern. Beliebt im Managementjargon sind Formulierungen wie „Mitarbeitende werden mitgenommen“, Entscheidungen müssen „abgesegnet“ werden, Veränderungen werden „ausgerollt“. Wer solche Formulierungen benutzt, sagt damit viel – unter Umständen viel Unbewusstes. Jedenfalls ist fraglich, ob daraus im Kopf des Gegenübers eine gute Geschichte entsteht.

Save the Date: Am 23./24. April 2027 feiert das Gipfeltreffen der Weiterbildung sein 20-jähriges Bestehen. Wer bei den Petersberger Trainertagen, so der offizielle Titel des Events, dabei sein will, findet hier sein Ticket: petersberger-trainertage.de

Dabei kann Sprache auch in die andere Richtung wirken. Anne M. Schüller, die Autorin unseres diesmaligen Titelthemas, gibt ein überzeugendes Gegenbeispiel: „Wirtschaftswunder“. Der Begriff hat die deutsche Nachkriegsgesellschaft nicht beschrieben, er hat sie geprägt. Aus Erschöpfung wurde dadurch Aufbruch. Was Führungskräfte aus diesem Beispiel mitnehmen können, arbeitet Schüller in diesem Beitrag aus. Die Beraterin argumentiert, dass narrative Kompetenz in Zeiten von KI und Dauerkrise wichtiger wird. Denn KI übernimmt zunehmend das, was viele Führungskräfte bisher als ihre Kernkompetenz verstanden haben: Sie wertet Daten aus, erstellt Analysen und bereitet Entscheidungen vor. Was sie aber nicht kann, ist Bedeutung herzustellen. Genau das kann narrative Führung.

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Als Führungs- und Lerninteressierte schaue ich gern über den Teich: in die USA zu der weltweit größten Lernkonferenz, der ATD. Zwar hat auch sie Federn gelassen in Bezug auf die Teilnehmendenzahl. Aber immer noch ist sie ein Seismograf für die aktuellen Topics. Für managerSeminare fasst Managementprofessor Karlheinz Schwuchow seit vielen Jahren die Learnings zusammen, dieses Mal vor allem – man konnte es ahnen – zum Thema KI. Auf der ATD wurde von einer „Next Renaissance“ gesprochen, dabei das AI aber großgeschrieben. Kurz gesagt: Es geht nicht mehr um die Frage, ob Unternehmen KI einsetzen, sondern wie sie die Zusammenarbeit von Mensch und KI am sinnvollsten gestalten. Interessant war für mich das Phänomen des „Cognitive Surrender“. Mehr dazu lesen Sie hier.

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