Time for Corporate Kehraus

Alle haben es gerne ordentlich, niemand räumt gerne auf, noch weniger gern schmeißen wir Sachen weg. Mit diesem Paradoxon kämpfen wir fast täglich, denn uns Menschen ist die Sammeltendenz angeboren. Egal, ob Schuhe, Taschen, Bücher, Erinnerungsstücke: Wenn nicht gerade ein Umzug ansteht, fragen wir uns selten: Macht uns dieser Besitz noch Freude, oder kann der weg? So lautet die zentrale Frage der Konmari-Methode, einer Ausmist-Anleitung der japanischen Ordnungsberaterin Marie Kondo. Die Aufräumerin ist gerade sehr populär auf Netflix. Und eine wie Marie Kondo ist auch gerade in den Unternehmen gefragt.

Denn im Unternehmensalltag verhält es sich recht ähnlich. Nur sammeln wir hier keine Schuhe, dafür aber Aufgaben, Regeln, Praktiken, Vorschriften, Rituale. Während zu viel Krempel im Kleiderschrank lediglich für Unordnung und Unübersichtlichkeit sorgt, können zu viele Vorgaben und Prozesse im Unternehmen regelrecht gefährlich werden: zum Beispiel, weil sich der organisationale Fokus statt nach außen nach innen richtet. Weil zu viel Nicht-Notwendiges die Komplexität erhöht. Weil gute Mitarbeiter sinnlose Aufgaben erledigen, weil das Risiko der psychischen Überlastung steigt.

Berater und Organisationswissenschaftler mahnen daher: „It is time to kehr! Bestellt die organisationale Müllabfuhr, bevor Ihr in Euren Prozessen erstickt.“ Doch so gut der Rat gemeint ist, so schwer ist er umsetzen. Denn nicht alles, was wie Ballast wirkt, kann bedenkenlos beseitigt werden, wie uns gerade die durchs Dorf getriebene Agilitätssau glauben machen will. Beispiel Meetings. Ihre zynische Umschreibung „Viele gehen rein, wenig kommt raus“ lässt zwar nichts anderes als schnellstmögliche Entsorgung vermuten, und doch bedarf es Fingerspitzengefühl bei der Identifizierung der Wegwerfware. Manch vermeintlicher Ballast hat eine systemerhaltende Funktion. Wie der Corporate Kehraus dennoch gelingen kann, lesen Sie, liebe Leserinnen und Leser, im diesmaligen Titelthema von managerSeminare.

Die VUKA-Welt beschert uns viele neue Begriffe. Die immer neue Kompetenzen beschwören, die wir vermeintlich brauchen, um in volatilen, unsicheren, komplexen und ambivalenten Zeiten zu bestehen. Doch brauchen wir hier nicht auch einen Kehraus? Eine Besinnung auf die Essentials? In dem Beitrag „Fit für Arbeit 4.0?“ stellen drei Autoren ihre gedankliche Essenz vor: sieben Ressourcen, die in der alten Welt schon gute Dienste leisten, jetzt jedoch noch bedeutender werden.

Das gesamte Heft gibt es hier. Viel Spaß beim Lesen!

23.08.2019
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