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Beitrag von Janina Merk aus Training aktuell 08/26, August 2026
Wenn Teams vor herausfordernden Aufgaben wie anspruchsvollen Projekten, tiefgreifenden Veränderungen oder hoher Unsicherheit stehen, richten sie ihre Aufmerksamkeit in der Regel zunächst auf Risiken, Probleme und mögliche Überforderungen. Neurobiologisch betrachtet, ist dies nachvollziehbar, denn das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt, potenzielle Gefahren frühzeitig wahrzunehmen und negative Entwicklungen bzw. Auswirkungen besonders stark zu gewichten. Insbesondere unter Druck aktiviert das Gehirn verstärkt jene neuronalen Netzwerke, die mit Bedrohungswahrnehmung, Fehlervermeidung und Kontrollsicherung verbunden sind. Im Kontext der Teamzusammenarbeit kann dies dazu führen, dass sich Kommunikations- und Denkmuster zunehmend um Schwierigkeiten, Widerstände oder Worst-Case-Szenarien organisieren und das soziale System beginnt, sich gewissermaßen um das Problem herum zu stabilisieren. Als unerwünschter Nebeneffekt entsteht so ein Zustand kollektiver Anspannung, in dem die Handlungsfähigkeit des Teams eingeschränkt ist und Kreativität, Zuversicht und Lösungsorientierung erschwert werden.
Gerade in anspruchsvollen Veränderungsprozessen benötigen Teams daher über das Problembewusstsein und die Einsicht der Veränderungsnotwendigkeit hinausgehende emotionale Zukunftsbilder, gemeinsame Zuversicht und einen bewussten Zugang zu den eigenen Ressourcen. Genau hier setzt die Methode „Rückenwind aus der Zukunft“ an. Sie verbindet hypnosystemische Ansätze mit neurobiologischen Erkenntnissen rund um die Themen Aufmerksamkeitsfokussierung, mentale Simulation und Embodiment. Die Grundidee der Methode besteht darin, im Team den Zustand der Fokussierung auf Probleme und Herausforderungen aufzubrechen und gemeinsam einen emotional anschlussfähigen Zukunftszustand erlebbar zu machen, indem die Aufmerksamkeit primär auf diesen Zukunftszustand gelenkt wird. Hypnosystemische Ansätze gehen davon aus, dass Aufmerksamkeit ein zentraler Wirkfaktor in sozialen Systemen ist. Worauf Menschen ihre Aufmerksamkeit richten, beeinflusst maßgeblich, welche emotionalen Zustände, inneren Bilder und Handlungsmöglichkeiten aktiviert werden. Werden beispielsweise ausschließlich Probleme fokussiert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Ohnmacht, Stress oder Enge erlebt werden. Werden hingegen gelingende Zukunftsbilder, Kompetenzen und Unterstützungsnetzwerke aktiviert, entstehen häufig neue emotionale und kommunikative Muster.