Studie zu hybriden Lernräumen
Studie zu hybriden Lernräumen

Mehr Austausch, mehr Aufwand

Wer in hybriden Lernsettings mehr als reines „Dabeisein per Stream“ ermöglichen will, muss vor allem am Interaktions- und Rollen-Design arbeiten – und nicht zwingend auf High-End-Technik zurückgreifen. Das legt eine qualitative Studie aus der Hochschullehre nahe.

Bei hybriden Lernsettings steigen die Anforderungen an die Veranstaltungsleitung vor allem dann, wenn Teilnehmende standortübergreifend miteinander arbeiten sollen. Denn: Mit wachsendem Interaktionsanspruch nimmt die Designkomplexität zu – didaktisch, organisatorisch und sozial.

Mit wachsendem Interaktionsanspruch nimmt die Designkomplexität hybrider Settings zu – didaktisch, organisatorisch und sozial.
Zu dieser Erkenntnis kommt ein Team um Forschende aus Würzburg und Barcelona. Für ihre qualitative Studie interviewten die Forschenden zwischen Juli und Oktober 2023 20 Lehrende in Deutschland, die über mehrere Semester Erfahrung mit hybriden Lernsettings gesammelt hatten. Aus den Interviews rekonstruierten sie 31 Praxisfälle, ordneten diese entlang mehrerer Merkmale ein und bestimmten so drei verschiedene Formen hybrider Lehre.

Welche Form sich eignet, hängt vom Ziel der Veranstaltung ab. Sogenannte unidirektionale Settings bieten sich an, wenn es vor allem um Übertragung und Teilhabe geht und Interaktion nicht im Mittelpunkt steht. Verdoppelnde Settings passen, wenn Online- und Präsenzgruppe phasenweise parallel arbeiten sollen. Und reziproke Settings sind dann sinnvoll, wenn standortübergreifende Zusammenarbeit ausdrücklich gewollt ist – etwa bei gemeinsam zu bearbeitenden Aufgaben.

INFO

  • Die Studie „Forms of Synchronous Hybrid Learning Spaces in Higher Education“ findet sich unter: bit.ly/TA_HybrideLehre

Austausch gezielt ermöglichen

Für die Gestaltung hybrider Weiterbildung besonders anschlussfähig sind die in der Studie abgeleiteten Designanforderungen. Je interaktiver das Setting, desto wichtiger wird gegenseitige Wahrnehmbarkeit: Teilnehmende müssen sich verlässlich sehen und hören können. Die Studie beschreibt dafür weniger einen Technik-Overkill als konkrete Stellschrauben: Kameras und Mikrofone gezielt platzieren, die Online-Gruppe im Raum dauerhaft sichtbar halten, gegebenenfalls mit eigenen Geräten der Präsenzteilnehmenden arbeiten. Zudem sind gezielte formelle und informelle Austauschgelegenheiten – auch in Pausen – hilfreich, um über Distanz Beziehung aufzubauen.

Je mehr Interaktion erzielt werden soll, desto höher ist jedoch auch die Belastung der Veranstaltungsleitung. Um eine Überlastung zu vermeiden, delegieren manche Lehrende Aufgaben – etwa Technik- oder Chat-Support – an Assistenz oder binden Teilnehmende als Co-Moderierende ein. Als weitere, vergleichsweise ressourcenschonende Entlastung nennen die Forschenden klare Routinen, früh angekündigte Aufgaben oder auch Flipped-Elemente (Inverted-Classroom-Elemente, bei denen die traditionelle Vermittlung von Wissen und dessen Vertiefung vertauscht werden). Grundsätzlich gilt: Interaktive hybride Formate lassen sich laut Studie nachhaltiger umsetzen, wenn institutionelle Rahmenbedingungen, wie verlässliche Infrastruktur, Leitlinien und Qualifizierung, passen.

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