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Beitrag von Saskia Frommelt und Christian Zielke aus Training aktuell 08/26, August 2026
In Training, Beratung und Coaching zeigt sich oft, dass Teilnehmende Entscheidungen treffen oder Konflikte bestreiten, ohne genau zu wissen, welche Werte sie leiten. Gerade in Umbruchsituationen, bei beruflicher Neuorientierung oder in Führungskontexten ist eine Klärung persönlicher Werte daher zentral. Doch Werte sind oft abstrakt und schwer greifbar. Umso wichtiger sind kreative und strukturierte Methoden, die einen Zugang schaffen.
Gerade in Umbruchsituationen, bei beruflicher Neuorientierung oder in Führungskontexten ist eine Klärung persönlicher Werte zentral.
Die „Purpose-Landkarte“ ist eine solche Methode. Bei ihr werden die eigenen Purpose-Werte als Landschaft dargestellt. Anstatt Werte nur zu listen, werden sie räumlich angeordnet – mit unterschiedlichen Größen, Abständen und Verbindungen – sodass klar erkennbar wird, welche Werte im Zentrum stehen, wie sie sich gegenseitig beeinflussen und wo Entwicklungspotenzial liegt.
Das Ziel ist, die wichtigsten sinnstiftenden Werte in ihrer Gewichtung und Beziehung zueinander sichtbar zu machen. Die Landkarte soll nicht nur Prioritäten klären, sondern auch ein Gefühl für das Zusammenspiel der Werte geben.
In Beratung, Training und Coaching liefert die Purpose-Landkarte ein übersichtliches Bild der Bezüge von persönlichen Werten oder Organisationswerten zueinander und schafft damit eine Grundlage für die eigene Purpose-Arbeit oder die Kulturarbeit im Unternehmen. Sie macht strategische Ausrichtungen greifbar und unterstützt dabei, sich und den eigenen Purpose im größeren Zusammenhang zu verorten. Durch die topografische Anordnung von Werten werden Zusammenhänge sichtbar, die bei rein schriftlichen Listen oft verborgen bleiben.
David, Bereichsleiter in einem internationalen Unternehmen, nimmt an einem mehrtägigen Führungskräftetraining mit dem Schwerpunkt „Führen mit Purpose“ teil. Schon zu Beginn zeigt sich, dass die Teilnehmenden sehr unterschiedliche Ausgangspunkte haben. Einige können spontan Werte wie Integrität oder Innovation nennen, haben aber Schwierigkeiten, diese in konkrete Führungsentscheidungen zu übersetzen. Andere – wie David – haben sich bisher kaum bewusst gefragt, was eigentlich ihre wichtigsten Werte sind und wie diese ihren Purpose prägen.
Um diese Lücke zu überwinden, führt die Trainerin die Methode der Purpose-Landkarte ein. Zunächst erarbeitet jede Führungskraft eine Liste mit acht bis zehn Werten, die im beruflichen Kontext als besonders wichtig empfunden werden. David schreibt unter anderem Integrität, Teamgeist, Innovation, Vertrauen und Verantwortung auf. Anschließend wählt er den Wert aus, der für ihn unverzichtbar ist: Integrität.
Auf einem großen DIN-A2-Blatt beginnt er, eine Wertelandkarte zu gestalten. Den zentralen Wert platziert er neben dem Gipfelkreuz auf einer Bergspitze. Die anderen Werte ordnet er ringsherum in einer symbolischen Landschaft mit einem Fluss, einem See, einem Leuchtturm und Wegen an – je näher zur Bergspitze, desto stärker die inhaltliche Verbindung, je weiter entfernt, desto geringer die Beziehung. So entsteht schrittweise ein Gesamtbild seiner inneren Werte-Landschaft (s. Grafik „Beispiel Purpose-Landkarte“). Unterstützende Beziehungen – etwa Teamgeist stärkt Vertrauen – werden in Grün, potenzielle Spannungsfelder – wie Innovation und Sicherheit – in Rot markiert.
In den Kleingruppen stellt David seine Purpose-Landkarte vor, erklärt seine Anordnung und untermauert sie mit Beispielen aus seinem Führungsalltag. Er schildert etwa, wie Integrität ihn in einer schwierigen Verhandlung davor bewahrt hat, kurzfristigen Vorteilen nachzugeben, die langfristig Vertrauen zerstört hätten. Die Landkarte zeigt deutlich, dass Integrität an der Spitze seiner Wertebezüge liegt und durch Werte wie Vertrauen, Transparenz und Verantwortung eng gestützt wird. Diese visuelle Nähe macht sichtbar, dass Integrität für David nicht nur ein Einzelwert ist, sondern der verbindende Kern seines Handelns. Aus der Anordnung wird klar, dass jede seiner Entscheidungen – ob in Konflikten, Verhandlungen oder Teamführung – auf diesen zentralen Wert zurückführte und daraus Sinn und Orientierung bezog. Durch die Rückfragen der Kolleginnen und Kollegen gewinnt er neue Perspektiven, welche Werte in seinem Alltag mehr Beachtung finden sollten. Als Ergebnis entwickelt die Gruppe auf dieser Grundlage gemeinsame Leitlinien für wertebasiertes Führen.
Die Methode hat eine starke visuelle Wirkung, die lange im Gedächtnis bleibt. Deshalb eignet sie sich besonders für visuelle und kreative Menschen. In Gruppen kann sie zudem einen hohen Gesprächsanreiz bieten.
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