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Beitrag von Andrzej Frydryszek aus Training aktuell 10/26, Oktober 2026
Wer im Coaching oder Training erschöpfte oder unzufriedene Führungskräfte und Mitarbeitende begleitet, greift häufig auf das Modell der inneren Antreiber („Sei perfekt“, „Streng dich an“, „Mach schnell“, „Sei stark“, „Mach es allen recht“) des US-amerikanischen Psychologen Taibi Kahler zurück. Das Modell entstand Ende der 70er-Jahre in einer Arbeitswelt, die stark durch Hierarchien, klare Rollen und vergleichsweise stabile Organisationsstrukturen geprägt war. Anerkennung wurde häufig über Anpassung, Leistung und Verlässlichkeit erworben. Entsprechend beschreiben die klassischen Antreiber innere Strategien, mit denen Menschen versuchen, Erwartungen zu erfüllen und Zugehörigkeit zu sichern.
Auch heute begegnen uns diese Muster noch regelmäßig. Gleichzeitig hat sich die Arbeitswelt grundlegend verändert. Organisationen werden vielerorts agiler, Hierarchien flacher, Karrieren individueller. Menschen arbeiten flexibel, führen wertschätzend, meditieren, treiben Sport, bilden sich regelmäßig weiter. Den meisten dient Arbeit längst nicht mehr ausschließlich dem Lebensunterhalt. Sie soll zunehmend Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sein, Entwicklung ermöglichen, Sinn stiften und Identität vermitteln. Mit dieser Entwicklung haben sich auch die Leistungsnormen verändert. Viele der Botschaften, denen Menschen heute begegnen, klingen zunächst nicht wie Anforderungen. Sie erscheinen vielmehr als Möglichkeiten:
Was auf den ersten Blick nach Freiheit klingt, kann zugleich neue Formen von Druck erzeugen. Zwar arbeiten auffällig viele Coachingklienten längst nicht mehr in starren Hierarchien, sondern in genau den Unternehmen, die Gestaltungsspielraum, Sinn und Selbstentfaltung versprechen. Trotzdem sind sie erschöpft, unzufrieden oder bleiben hinter den eigenen Möglichkeiten zurück. Eine mögliche Erklärung: Der Leistungsdruck hat sich nicht aufgelöst. Er hat nur die Richtung gewechselt – von außen nach innen. Früher lautete die Botschaft eher: „Erfülle die Erwartungen anderer.“ Heute lautet sie: „Werde die beste Version deiner selbst.“