Reflexion

Kommunikationstrainings
Kommunikationstrainings

Vor dem ersten Wort

Wer schwierige Gespräche trainiert, übt meist Formulierungen und Zuhörtechniken – doch unter Druck bleibt genau dieses Wissen oft unerreichbar. Coach Anne Michel plädiert daher für eine zweite Dimension in Kommunikationstrainings: die Wahrnehmung des eigenen inneren Zustands vor und während eines Gesprächs. Anhand von Übungen für Rollenspiel und Auswertung zeigt sie, wie sich diese Selbstwahrnehmung ins Trainingsdesign integrieren lässt.

„Anne, hier im Training weiß ich genau, was ich tun soll. Aber letzte Woche im Konfliktgespräch? Da war plötzlich alles weg. Kein aktives Zuhören, keine klugen Fragen – ich habe einfach dichtgemacht.“ Solche Rückmeldungen höre ich nach Kommunikationstrainings immer wieder. Lange war meine Antwort darauf ziemlich klar: mehr üben, mehr Transfer, mehr Routine, dann klappt es irgendwann auch im Alltag. Übung macht schließlich den Meister, oder? Doch inzwischen frage ich mich, ob Übung und Routine allein wirklich die ganze Antwort sind. Denn was, wenn Menschen in schwierigen Gesprächen gar nicht daran scheitern, dass sie nicht wissen, wie sie kommunizieren könnten? Was, wenn das Wissen längst da ist, aber ausgerechnet in dem Moment, in dem es gebraucht wird, nicht mehr richtig zugänglich ist?

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Vergessener Faktor Nervensystem

Womöglich reicht es also nicht, zu wissen und zu üben, wie gute Kommunikation funktioniert. Entscheidend scheint vielmehr auch, ob wir das Gelernte in schwierigen Momenten überhaupt noch anwenden können. In meinen Trainings – und ehrlich gesagt auch im eigenen Alltag – beobachte ich immer wieder dasselbe Phänomen: Ein und derselbe Satz kann an unterschiedlichen Tagen völlig unterschiedliche Reaktionen auslösen. Ein Kollege begrüßt mich morgens mit einem augenzwinkernden: „Na, auch mal wieder pünktlich?“ An einem entspannten Tag antworte ich vielleicht lachend: „Klar, ich wollte euch heute einfach mal überraschen.“ Wir lachen beide, und das Gespräch geht weiter.

Womöglich reicht es also nicht, zu wissen und zu üben, wie gute Kommunikation funktioniert. Entscheidend scheint vielmehr auch, ob wir das Gelernte in schwierigen Momenten überhaupt noch anwenden können.

Und dann gibt es diese anderen Tage. Ich komme gestresst aus einem Meeting, stehe unter Zeitdruck oder habe privat schon einen schwierigen Morgen hinter mir. Derselbe Satz trifft plötzlich ganz anders. Statt eines lockeren Konters schieße ich vielleicht ein gereiztes „Was ist eigentlich dein Problem?“ zurück. Oder ich sage gar nichts mehr und führe das Gespräch dafür die nächsten zwei Stunden im Kopf weiter. Mit dem Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun im Hinterkopf könnte man sagen: Derselbe Satz trifft plötzlich auf ein anderes „Ohr“.

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