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Mitte Mai, Los Angeles. Während Deutschland noch zwischen Frühlingsregen und ersten Sommertagen schwankte, trafen sich rund 6.500 Weiterbildungsprofis aus aller Welt unter kalifornischem Sonnenschein zur ATD Conference & Expo 2026. Wie schon in den Vorjahren konnten wir als in Deutschland ansässige Redaktion das internationale Lernspektakel auf der traditionsreichsten und größten Kongressmesse ihrer Art nicht selbst vor Ort verfolgen. Deshalb haben wir uns erneut an Daniel Dunkhase gewandt, den Leiter der DACH-Delegation, der seine Erkenntnisse mit uns und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, teilt und auch seine Mitreisenden gebeten hat, von ihren Eindrücken zu berichten. Entstanden ist dabei ein vielstimmiger Bericht, der zeigt: Die ATD 2026 war anders als in den Vorjahren.
Anders vor allem, was das Thema Künstliche Intelligenz betraf. Die Euphorie des Vorjahres ist in diesem Jahr einem realistischeren Blick gewichen. Weniger neue Tools, weniger Technikhype, dafür mehr Fragen nach dem, was unweigerlich menschlich bleibt. Zack Kass, ehemaliger Head of Go-to-Market bei OpenAI, stellte in seiner Keynote die Frage: Wenn Intelligenz im Überfluss verfügbar ist, woraus speist sich dann noch der Sinn von Arbeit und von Lernen? Er sieht die Antwort in Fähigkeiten, die Maschinen nicht imitieren können: Empathie, Mut, kritisches Denken, Neugier, Weisheit. Für die Weiterbildungsbranche bedeutet das eine Richtungsverschiebung: Neben dem Umgang mit KI rückt die Entwicklung genuin menschlicher Fähigkeiten stärker in den Mittelpunkt. Und aus weiteren Sessions der Konferenz klang heraus, was auch David Rock vom NeuroLeadership Institute thematisierte: KI im Lernen ist kein Selbstzweck – nur weil sie eingesetzt wird, wird Lernen nicht automatisch besser.
KI im Lernen ist kein Selbstzweck – nur weil sie eingesetzt wird, wird Lernen nicht automatisch besser.
Genau dieser Gedanke, nämlich die Frage nach dem, was bleibt, wenn KI überzeugt, strukturiert und formuliert, zieht sich auch durch einen weiteren Beitrag dieser Ausgabe. Coach Thomas Wehrs beschreibt darin, was passiert, wenn KI in der Zusammenarbeit zur stillen Autorität wird. Wenn also Führungskräfte oder ganze Teams Positionen mit Verweis auf Tools legitimieren, Widerspruch schwerer wird und menschliche Verantwortung sich still verflüchtigt. Wehrs unterscheidet drei Rollen, die KI dabei einnehmen kann – Spiegel, Manipulatorin, Co-Coach –, und zeigt, wie Coachs, Trainerinnen und Berater ihre Klienten professionell dabei begleiten können, KI als Unterstützung zu nutzen, ohne sie zur Instanz zu machen. Sein Fazit ist so schlicht wie anspruchsvoll: Verantwortung bleibt menschlich. Nicht nur schneller mit KI zu werden, sondern klarer im Menschlichen – das, so Wehrs, ist die eigentliche Reifeaufgabe unserer Zeit.
Viel Spaß und Erkenntnisgewinn beim Lesen dieser Ausgabe!