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Beitrag von Thomas Wehrs aus Training aktuell 07/26, Juli 2026
Montagmorgens in der Teamrunde. Die Führungskraft stellt eine neue strategische Stoßrichtung vor. Ihre Argumentation wirkt klar, stimmig, fast unangreifbar. Als eine Kollegin vorsichtig nachfragt, sagt die Führungskraft: „Ich habe das mit KI geprüft. Die Argumentation ist schlüssig, die Risiken sind berücksichtigt, und das Tool bestätigt diesen neuen Weg.“ Im Raum verändert sich etwas, es wird still. Ein Kollege setzt zu einem Einwand an und bricht wieder ab. Die Führungskraft reagiert gereizt auf die Reaktion ihres Teams, verweist auf die Objektivität der KI und wechselt dann das Thema.
Genau in solchen Momenten zeigt sich, worum es in den aktuellen Diskussionen rund um Künstliche Intelligenz eigentlich geht: nicht um die Frage, ob KI gut oder schlecht ist, sondern darum, was mit Verantwortung geschieht, wenn die Technologie in Interaktionen zur stillen Autorität wird. Für Coachs, Trainerinnen und Berater ist das längst kein Randthema mehr. Immer häufiger kommen Klientinnen und Klienten mit KI-generierten Antworten in Coachings, Teams legitimieren Positionen mit Verweis auf Tools, Führungskräfte nutzen KI, um Entscheidungen vorzubereiten, Kommunikation zu schärfen oder Komplexität zu reduzieren. Gerade unter Druck wirkt KI attraktiv: Sie liefert schnell Struktur, sprachliche Sicherheit und oft eine überzeugende Verdichtung der eigenen Sichtweise.
In aktuellen Diskussionen rund um Künstliche Intelligenz geht es nicht um die Frage, ob KI gut oder schlecht ist, sondern darum, was mit Verantwortung geschieht, wenn die Technologie in Interaktionen zur stillen Autorität wird.
Die Herausforderung beginnt dort, wo diese Plausibilität mit Objektivität verwechselt wird. Sobald Sätze fallen wie „Die KI sagt …“, verschiebt sich nämlich die Zuschreibung von Autorität. Kritik wirkt schneller wie Störung, Widerspruch wird mühsamer und menschliche Verantwortung tritt in den Hintergrund. Denn KI liefert keine neutrale Wahrheit, sondern Muster, Wahrscheinlichkeiten und Vorschläge. Die Verantwortung für Entscheidungen bleibt dennoch beim Menschen. Genau das gerät im Arbeitsalltag jedoch leicht aus dem Blick.