Reflexion

Besser verunsichert
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Vorsätze: Segen oder Fluch?

Vorsätze wirken oft wie ein vernünftiger Weg in Richtung Veränderung. Doch ihr Bedarf kann auch ein Hinweis darauf sein, dass innere Motive gegeneinander arbeiten – und dass ein Teil der eigenen Person etwas durchsetzen will, das ein anderer Teil sabotiert. Im letzten Teil seiner Artikelserie zeigt Berater und Coach Klaus Eidenschink, weshalb Vorsätze damit auch Symptom mangelnder Selbstwahrnehmung sein können und warum es hilfreicher ist, die unbewussten Gegenspieler und die dahinterliegenden unangenehmen Gefühle zu erforschen.

Vorsätze sind beliebt. Man blickt in die Zukunft und wünscht sie sich so, wie sie sein soll. Aus allen denkbaren und undenkbaren künftigen „Gegenwarten“ will man diejenigen anstreben, die man für attraktiv hält und für deren Realisierung man sich einsetzen will. Vorsätze sind Ergebnis einer Wahl. Sie dienen Erwartungen und sollen sicherstellen, dass das Erwünschte geschieht und das Unerwünschte ausbleibt. Das klingt doch sehr vernünftig, und so muss es nicht wundern, wenn es viele Meter an Büchern und Postings gibt, die einen schlaumachen, wie man Ziele angemessen definiert, Vorsätze richtig (oder falsch) fasst, wie man die Mittel und die passenden Schritte zum Ziel wählt. SMART (Akronym für Specific, Measurable, Achievable, Reasonable, Time-bound) wäre ein solches beliebtes und bekanntes Vorgehen – wenn man mal Vorsätze und Ziele gleichsetzt.

Vorsätze als Symptom

Dabei gerät die einfache Frage aus dem Blick, welche seelischen Verhältnisse dafür sorgen, dass man meint, man müsse überhaupt Vorsätze fassen. Denn es könnte ja sein, dass auch Vorsätze Mittel sind, die untauglich sind oder des Öfteren Zwecken dienen, die eine selbstschädigende Wirkung haben.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Jemand möchte sich am Wochenende weniger mit beruflichen E-Mails beschäftigen – halt! „Richtiger“ wäre laut Ratgebern natürlich, ein „positives“ Ziel zu wählen. Also: „Ich möchte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen!“

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