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Beitrag von Andrea Bittelmeyer aus managerSeminare 336, März 2026
Trotz Wunsch nach starker Hand: Weshalb es (auch) in unsicheren Zeiten Teamentscheidungen braucht
Die Risiken des Ad hoc: Wann und woran das kollaborative Entscheiden scheitern kann
Vierfache Klärung: Was vor der Verantwortungsübernahme zu besprechen ist
„Ganz oder gar nicht“ gilt nicht: Über die sieben Stufen der Entscheidungsdelegation
Konsens, Konsent & Co.: Die Vor- und Nachteile der wichtigsten kollaborativen Entscheidungsformate
Rolle der Führungskraft: Weshalb Teamentscheidungen Führung anspruchsvoller machen
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 336
Rezession, Kriege, geopolitische Spannungen: Die Geschehnisse in der Welt bewegen und beschäftigen Organisationen nicht nur in den Vorstands- und Geschäftsführungsetagen, wo es um Strategien geht, Antworten auf die aktuellen Marktveränderungen zu finden. Sie beeinflussen auch andere Führungskräfte und Teams und hinterlassen Spuren in der Art der Zusammenarbeit. Forderten Mitarbeitende unlängst noch mehr Mitsprache und Verantwortung, sind diese Stimmen inzwischen leiser geworden. Stattdessen soll die Führungskraft wieder Ansagen machen und das Ruder in die Hand nehmen. Das beobachten derzeit viele Organisationsentwickler und Berater, zum Beispiel Yves Stalgies, interner Organisationsenwickler des Onlinehändlers Otto. Er ist im Unternehmen u.a. mit dem Thema Gruppenentscheidungen befasst und berichtet: „In der Krise ruft die Organisation nach klarer Führung, und die Teams suchen Orientierung.“ Stalgies ist selber Führungskraft und erfährt es damit als Berater und Leader „quasi doppelt“: Es gibt derzeit Tendenzen, Teamentscheidungen an die Führungskraft zurückzudelegieren.
Dabei sollte bei zahlreichen Entscheidungen eigentlich der umgekehrte Weg eingeschlagen werden, auch in Krisenzeiten, sagt Stalgies: Natürlich müssen Führungskräfte in der Unsicherheit Halt geben und dazu Leitplanken setzen. „In dringenden Fällen übernehme ich die Entscheidung auch mal selbst, anstelle mein Team entscheiden zu lassen.“ Doch das sei die Ausnahme. Die Regel ist ein Prozedere, auf das sich Otto vor Jahren eingelassen hat und das im Zuge des allgemeinen Aufkommens des agilen, selbstorganisierten Arbeitens auch in etlichen anderen Unternehmen Platz griff: das kollaborative Entscheiden. Statt der Führungskraft treffen Teams Entscheidungen eigenverantwortlich.
Organisationen, die ihre Mitarbeitenden bis heute nicht – auch nicht hin und wieder – auf diese Weise einbinden, sollten es sich spätestens jetzt überlegen. Und zwar, trotz Krisen oder sogar, gerade ihretwegen. Organisationsberaterinnen und -berater argumentieren: Teams können besser entscheiden als eine einzelne Führungskraft, denn die Komplexität im Umfeld der Organisationen hat nicht zuletzt in der aktuellen, unsicheren Weltlage derart zugenommen, dass auch eine noch so kompetente Führungskraft nicht die beste Antwort auf bestehende Herausforderungen findet. Hinzu kommen Querverbindungen und Abhängigkeiten zwischen den Fachbereichen, die Teamentscheidungen sinnvoll machen. Und: Teams kommen nach selbst getroffenen Entscheidungen besser ins Handeln, weil die gemeinsam erarbeiteten Maßnahmen für alle nachvollziehbar sind.