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Beitrag von Henning Beck aus managerSeminare 336, März 2026
Vor einiger Zeit sollte ich eine Diskussion mit Führungskräften im US-amerikanischen Arizona leiten. Das Thema: „Die Kraft des Pessimismus in der Gesellschaft.“ Ich war nicht überrascht, dass mir als Deutschem die Aufgabe zufiel, den Amerikanern mal zu zeigen, was professionelles Schwarzsehen ausmacht. Denn darin gehören wir zur Weltspitze (in Umfragen meist knapp auf Platz zwei hinter den Franzosen, die noch besser pessimistisch sind). In den USA ist man schon „awesome“, „great“ oder „fantastic“, wenn man sich die Schuhe zubinden kann. Das „Deutsche Lob“ ist hingegen die Verneinung des Negativen: „Nicht schlecht!“ Oder: „Es hätte schlimmer kommen können!“. „I have a dream“, rief Martin Luther King Jr. seine visionären Ideen einer amerikanischen Gesellschaft zu. „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, erwidern wir in altkluger Altkanzler-Helmut-Schmidt-Manier und ersticken jeden Anflug von Optimismus im Keim.
Das Problem dabei: Optimismus ist unabdingbar, um die Zukunft proaktiv gestalten zu können. In praktisch allen Lebensbereichen wirkt sich Optimismus förderlich aus. Optimisten treffen bessere Finanzentscheidungen (sorgen paradoxerweise sogar besser fürs Alter vor als Pessimisten), sie leben länger, erkranken seltener, ernähren sich gesünder, kommen mit Rückschlägen besser klar. Insbesondere wenn es um das erfolgreiche Sich-Weiterentwickeln geht, spielt der Optimismus seine ganze Kraft aus: Weil optimistische Menschen oftmals zielorientierter handeln, schaffen sie sich ein positives Lernumfeld. Sie wissen, wofür sie sich anstrengen, gehen davon aus, dass sich ihr Aufwand lohnt, und lernen dadurch umso effektiver.
Interessanterweise unterscheidet man in der Neuropsychologie weniger zwischen optimistischen und pessimistischen Menschen, sondern zwischen aktiv-gestaltenden und passiv-reaktiven Menschen. Sobald man das Gefühl hat, seine Zukunft nicht kontrollieren zu können, tendiert man zum Schwarzsehen. Die Wissenschaft dazu ist eindeutig: Sobald man den Menschen konkrete Ziele und ein Wirksamkeitserlebnis schafft, strengen sie sich besonders an. Wer kennt sie nicht, die alles entscheidende Frage in jeder Lernintervention, sei es in der Schule oder einer Weiterbildung: Wofür mache ich das eigentlich? Diese Frage muss als Erstes beantwortet werden, dann wird man umso zielstrebiger. Denn Zielstrebigkeit wächst auf dem Boden des Optimismus.
„Pessimists sound smart, optimists make money”, hat der US-Investor Nat Friedman gesagt. Und es stimmt: Den Pessimisten umweht immer die Aura des Intellektuellen, wenn er analytisch präzise ausführen kann, warum alles schlechter wird. Für Optimismus braucht man hingegen einen Funken Vision, dass man es besser machen kann. Nie war dieses Vertrauen ins eigene Tun wichtiger als heute. Wir leben als Gesellschaft davon, dass wir neues Wissen aufbauen, Ideen entwickeln und Probleme besser lösen. Wir haben sonst nichts in diesem Land. Wir buddeln nichts aus der Erde und verkaufen es dann teuer weiter. Unsere wichtigste Ressource ist die Fähigkeit, mit guten Ideen die Zukunft besser zu machen. Es ist unsere Aufgabe, diesen Zukunftsmut an andere zu vermitteln: an junge Menschen in der Schule und erfahrene Arbeitskräfte in Unternehmen. Nur wenn wir besser lernen, werden wir besser denken – und nur das macht unser Denken zukunftsfest.
Der Autor: Henning Beck ist Neurowissenschaftler, und zwar einer der verständlichen. In Vorträgen und Seminaren vermittelt er die spannenden Themen des Gehirns. Sein aktuelles Buch heißt „Besser denken –Fokussieren, Verstehen, Entscheiden“. Kontakt: henning-beck.com
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