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Beitrag von Anna Dollinger und Katharina Fehse aus managerSeminare 341, August 2026
Trügerische Geschwindigkeit: Warum Unternehmen in Veränderungsprozessen oft nicht merken, dass sie auf dem falschen Weg sind
Pressekonferenz der Stakeholder: Wie sich spielerisch der Blick auf den Prozess erweitern lässt
Promi-Feedback: Wie blinde Flecken sichtbar und kritische Themen ansprechbar werden
Sensoren-Pult: Wie sich der gesamte Prozess systematisch im Blick halten lässt
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 341
Es beginnt fast immer mit einem Gefühl von Dringlichkeit. Die Konkurrenz zieht davon, neue Technologien verändern das Geschäft, Kundinnen und Kunden erwarten andere Lösungen. Also werden Strategien überarbeitet, neue Projekte gestartet und Veränderungsprogramme auf den Weg gebracht. Der Wandel nimmt Fahrt auf. So weit, so folgerichtig. Denn dass Unternehmen sich weiterentwickeln müssen, um in unserer disruptiven Welt zu bestehen, steht außer Frage. Die alte Binse „Stillstand ist Rückschritt“ klingt mittlerweile fast wie eine Verniedlichung. Für Unternehmen gilt in der heutigen Zeit vielmehr: Wer stillsteht, bleibt auf der Strecke.
Das Problem ist, dass diese grundlegende Einsicht in vielen Unternehmen zu wörtlich interpretiert wird: Die Veränderungsroute wird festgelegt – und dann wird losgesprintet, bis das festgelegte Ziel erreicht ist. Durch die permanente Bewegung entsteht ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle. Handeln heißt, die Dinge in der Hand zu haben. Zumindest gefühlsmäßig. Diese Überzeugung ist so universell, dass sie einen eigenen Namen hat: Action Bias. Allerdings ist sie – das Wort „Bias“ deutet es bereits an – trügerisch. Einfach ausgedrückt: Wo ununterbrochen gehandelt wird, wird oft zu wenig reflektiert. Das gilt für Organisationen genauso wie für einzelne Personen. Dabei ist es gerade in einer so schnellen Welt wichtig, immer wieder innezuhalten, und zu prüfen, ob der eingeschlagene Weg noch passt oder sich die Rahmenbedingungen „unterwegs“ geändert haben, sodass auch die Veränderungsmaßnahmen verändert werden müssen. Als Praxis-Paradoxon zugespitzt: Je schneller sich das „Spielfeld“ einer Organisation verändert, desto wichtiger ist es, immer wieder innezuhalten und Veränderungsprozesse zu reflektieren – und desto geringer ist die Bereitschaft dazu.
Je schneller sich das „Spielfeld“ einer Organisation verändert, desto wichtiger ist es, immer wieder innezuhalten und Veränderungsprozesse zu reflektieren – und desto geringer ist paradoxerweise die Bereitschaft dazu.
Genau an diesem Punkt setzen Reflexionsmethoden an. Sie schaffen jene bewussten Unterbrechungen, für die im Veränderungsalltag oft weder Zeit noch Anlass zu bestehen scheint. Statt den nächsten Schritt beinahe automatisch zu gehen, lenken sie den Blick auf die eigentlichen Fragen: Sind wir noch auf dem richtigen Weg? Stimmen unsere Annahmen? Und woran würden wir überhaupt erkennen, dass wir den Kurs ändern sollten? Viele dieser Methoden sind mit Metaphern unterlegt, was kein Zufall ist. Spielerische Elemente lockern eingefahrene Denkmuster, fördern neue Perspektiven und senken die Hemmschwelle, vermeintlich Feststehendes infrage zu stellen. Zwei solcher Methoden sind unserer Erfahrung nach in Veränderungsprozessen besonders effektiv – vor allem dann, wenn sie mit einer speziellen analytischen Methode verknüpft werden.