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Beitrag von Mira Fauth-Bühler aus managerSeminare 343, Oktober 2026
Decision Fatigue: Warum menschliche Entscheidungskraft oft erlahmt
Fatale Folgen: Welche Konsequenzen Entscheidungsmüdigkeit hat
Risikogruppe: Wieso Führungskräfte nicht nur durch eine hohe Entscheidungsdichte von Decision Fatigue betroffen sind
Organisationsproblem: Wieso individuelle Strategien gegen Entscheidungsmüdigkeit nicht reichen
Hilfreich und riskant: Warum KI das Problem verringern und verstärken kann
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Freitag, 17:40 Uhr. Der Posteingang ist fast leer, der Kalender für heute abgearbeitet. Eine letzte Mail ploppt auf: „Können wir das Angebot heute noch freigeben?“ Keine strategische Weichenstellung. Kein Millionenprojekt. Nur eine Freigabe. Eine von vielen Entscheidungen dieses Tages. Und trotzdem zögert die Führungskraft. Die Zahlen sind bekannt, der Sachverhalt ist überschaubar, doch die Aufmerksamkeit ist brüchig, der Kopf voll, die Klarheit abhandengekommen. Stattdessen tauchen spontane Impulse auf: auf Montag verschieben. Sicherheitshalber ablehnen. Schnell zustimmen und hoffen, dass es passt.
Das Problem in einer solchen Situation ist weder fehlendes Wissen noch ist es mangelnde Kompetenz. Das Problem kann darin liegen, dass es nach einem Tag voller Entscheidungen zunehmend schwerfällt, Aufmerksamkeit und kognitiven Aufwand für eine weitere sorgfältige Abwägung aufzubringen. Solche Momente tauchen im Führungsalltag ständig auf. Weniger bei großen, gut vorbereiteten Entscheidungen als vielmehr bei den vielen kleinen Entscheidungen am Rande des Tages: zwischen Terminen, nach Meetings oder kurz vorm Wochenende. Diese Momente werden selten thematisiert, denn sie passen schlecht zum gängigen Bild von Führung als souveränem, jederzeit handlungsfähigem Entscheiden und werden dementsprechend häufig als persönliche Schwäche gedeutet.
Tatsächlich zeigen Forschungsarbeiten, dass situative Faktoren auf Urteile einwirken können – etwa die eigene Stimmung, die Reihenfolge, in der Entscheidungsfälle auftreten, aber auch Zeitdruck und Ermüdung. So weisen Daniel Kahneman, Olivier Sibony und Cass R. Sunstein in ihrem Buch Noise auf Studien hin, nach denen sich ärztliche Entscheidungen im Verlauf eines Arbeitstages und bei zunehmendem Zeitdruck verändern können. So zeigte eine große US-amerikanische Untersuchung von 678.319 hausärztlichen Terminen, dass Opioide bei späteren Terminen im Tagesablauf häufiger verschrieben wurden als bei den ersten Terminen. Und auch bei deutlich verspätet begonnenen Terminen war die Verschreibungsrate von Opioiden erhöht.