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Übersicht AnsprechpartnerVerstöße gegen Richtlinien wie beispielsweise Diebstahl oder der Missbrauch von Firmenressourcen kosten Unternehmen jedes Jahr weltweit Milliarden. Doch wie kommt es dazu, dass Mitarbeitende solches Verhalten ihrer Kolleginnen und Kollegen nicht sofort melden, sondern zum Teil sogar noch verschleiern? Mit dieser Frage haben sich drei Forscherinnen kanadischer Universitäten in einer Studie befasst, für die insgesamt 475 Menschen befragt wurden. Dabei entdeckten sie eine überraschende Korrelation: Wenn Beschäftigte bei ihren Kolleginnen und Kollegen solch unethisches Verhalten beobachten, können sie sich in ihrer eigenen Identität bedroht fühlen. Das erklären die Forscherinnen damit, dass das Verhalten der Person, mit der sie sich verbunden fühlen, sich negativ auf ihre Selbstwahrnehmung auswirkt. Diese wahrgenommene Identitätsbedrohung erhöhe wiederum die Wahrscheinlichkeit, das Fehlverhalten des Kollegen oder der Kollegin aktiv zu vertuschen.
Den Kollegen dabei erwischt, wie er etwas aus dem Büro mitgehen lässt? Solch unethisches Verhalten wird zum Selbstschutz oft verschleiert, wie eine kanadische Studie zeigt.
Unsplash/Allison SaengBesonders anfällig für diesen Mechanismus waren den Ergebnissen zufolge Beschäftigte, die sich stark mit dem fehlbaren Kollegen identifizierten: Je stärker die Identifikation, desto stärker zeigte sich der Zusammenhang zwischen dessen Fehlverhalten, der Bedrohung des eigenen Selbstbildes sowie der Bereitschaft, das Verhalten zu vertuschen. Um dem entgegenzuwirken, raten die Studienautorinnen Unternehmen zum Aufbau einer „ethischen Infrastruktur“: Diese setzt sich aus formellen Maßnahmen wie Verhaltenskodizes, Schulungsprogrammen und Sanktionssystemen sowie informellen Verstärkungsmaßnahmen zusammen, wie beispielsweise Gespräche über Ethik mit den Mitarbeitenden.
Die vollständige Studie kann unter msmagazin.info/343Ethik heruntergeladen werden (in englischer Sprache).
Beitrag von Sophie Dériaz aus managerSeminare 343, Oktober 2026