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„Wie geht es Ihnen?“ Diese Frage begegnet uns täglich. Am Morgen im Büro, auf dem Flur oder in der Videokonferenz. Und ebenso verlässlich folgt die Antwort: „Gut.“ Manchmal variiert sie leicht „Danke, läuft“ oder „Alles bestens“. Gefragt wird ja – geben wir es zu – gar nicht nach dem Befund, daher ist auch die Antwort mehr ein Signal: Ich bin funktionstüchtig und anschlussfähig. Auffällig ist, dass die floskelhafte Frage „Wie geht´s?“ selbst schon mehr und mehr verschwindet. Stattdessen heißt es gleich: „Alles bestens bei dir?“ Es erscheint einfacher, sich den (positiven) Zustand des Gegenübers implizit bestätigen zu lassen, als ihn explizit zu erfragen. Wer hier nicht sofort nickt oder gar ehrlich zu antworten sucht, wirkt schnell wie jemand, der eine Konvention bricht. So hat sich unmerklich ein Mantra etabliert, das den Arbeitsalltag grundiert: Es geht uns gut. Es soll uns gut gehen. Und falls nicht, behalten wir es für uns. Zuversicht ist zur sozialen Erwartung geworden und gute Stimmung zum stillen Leistungsmerkmal. Das ist zumindest die Beobachtung, die unserem diesmaligen Titelthema zugrunde liegt. Oliver Hoffmann beschreibt darin die Auswirkungen einer Kultur, die Optimismus zur Ersatzreligion erhoben hat. Und ihre Folgen, z.B. psychologischer Natur: Wenn die Stimmung wichtiger wird als die Wahrnehmung, geht Orientierung verloren. Wenn Unbehagen keinen Platz mehr hat, verschwinden Warnsignale. Und wenn innere Spannungen nur noch als Störung gelten, leidet am Ende genau die Anpassungsfähigkeit, die wir in unsicheren Zeiten brauchen. Hoffmanns Argumentation, negativ attribuierte Gefühle wie Angst, Zweifel und Hoffnungslosigkeit nicht abzuwerten oder zu verdrängen, ist dabei keineswegs eine Absage an Zuversicht, Vertrauen oder Hoffnung. Fragwürdig wird es seiner Meinung nach, wenn Optimismus zum Zwang, Positivität quasi toxisch wird.
Gönn dir den Gipfel! Am 24./25. April 2026 finden die PTT in Königswinter bei Bonn statt. Dieses Mal steht das Gipfeltreffen der Weiterbildung unter dem Motto „Stark im Wandel(n)“. Tickets gibt es hier: petersberger-trainertage.de
„Toll, wie Sie das machen, sich derart selbst im Weg zu stehen! Geben Sie auch Kurse darin?“ Darf ein Coach einem Klienten so eine Unverschämtheit an den Kopf werfen? Im Provokativen Coaching schon. Dort gehört die absichtliche Überspitzung zum Konzept. Im deutschsprachigen Raum war es Noni Höfner, die dem ungewöhnlichen, aus der Psychotherapie stammenden Ansatz den Weg geebnet hat. Sie übertrug ihn nicht nur auf andere Bereiche wie Coaching und Training, sie überführte ihn auch in eine lehr- und lernbare Form. Im April 2026 wird Höfner für ihr Lebenswerk mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche ausgezeichnet. Im Interview in dieser Ausgabe erklärt sie schon mal ihren Ansatz.
Viel Spaß beim Lesen und viel Erkenntnisgewinn!
Beitrag von Nicole Bußmann aus managerSeminare 334, Januar 2026