Lernen

Noni Höfner im Interview
Noni Höfner im Interview

Provokativ zu neuen Perspektiven

„Toll, wie Sie das machen – sich so gründlich selbst im Weg zu stehen. Geben Sie auch Kurse darin?“ Darf ein Coach einen Klienten derart herausfordern? Im Provokativen Coaching gilt die zuspitzende, humorvolle Intervention als Teil des Konzepts. Im deutschsprachigen Raum hat vor allem Eleonore, genannt Noni, Höfner diesen aus der Psychotherapie stammenden Ansatz geprägt. Sie übertrug ihn auf Coaching und Training und entwickelte daraus ein lehr- und lernbares Modell. Im April 2026 wird Höfner für ihr Lebenswerk mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche geehrt.

Preview

Von wegen, das können nur Männer: Wie Noni Höfner ihren Weg in die provokative Arbeit fand

There must be something more: Was Höfner von Beginn an am Provokativen Ansatz fasziniert hat

LKW: Die Logik des liebevollen Karikierens von Weltbildern

Wer lacht, kommt weiter: Die zentrale Rolle von Humor beim provokativen Arbeiten

Eine Haltung, viele Herangehensweisen: Wie Noni Höfner andere Coachs und Weiterbildende an den Provokativen Ansatz heranführt


Cover managerSeminare 334 vom 30.12.2025Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 334

Du wirst mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche ausgezeichnet. Wenn du es selbst beschreiben würdest: Worin besteht dein Lebenswerk?

Noni Höfner: Das ist ein großes Wort – Lebenswerk, mein lieber Schieber! Ich würde sagen, ich habe 1985 die Provokative Therapie entdeckt. In diesem Jahr, ich war damals 39 Jahre alt, kam Frank Farrelly, der Erfinder dieser Vorgehensweise, nach Deutschland, und ich besuchte einen Workshop mit ihm. Was er da demonstriert hat, war für mich eine totale Musterdurchbrechung. Denn Farrelly hat alle, wirklich alle Regeln, die ich bis dahin für absolut heilig gehalten hatte, verletzt. Nach dem Workshop habe mich sofort hinter ihn geklemmt, denn ich wusste: Das ist es, was ich machen will! So will ich auch arbeiten. Farrelly zu erleben, hat damals mein Leben auf den Kopf gestellt. Drei Jahre später, also 1988, habe ich das Deutsche Institut für Provokative Therapie gegründet. Und das, obwohl viele damals gesagt haben, was Frank Farrelly macht, das kann nur er. Beziehungsweise, wenn überhaupt, können das nur Männer – so provokativ mit Patienten umgehen. Diese Sichtweise fand ich interessant. Und trat den Gegenbeweis an. Nicht nur, indem ich selbst provokativ therapeutisch tätig war, sondern auch, indem ich den Ansatz in eine strukturierte Weiterbildung überführt und ihn so lernbar gemacht habe. Das, würde ich sagen, ist tatsächlich mein Lebenswerk: Farrellys Ansatz so zu etablieren, dass ihn inzwischen Tausende erlernen konnten.

„Früher hieß es: Provokativ therapieren, das kann nur Frank Farrelly, bzw., das können, wenn überhaupt, nur Männer. Ich trat den Gegenbeweis an. Nicht nur, indem ich selbst so therapierte und coachte, sondern auch, indem ich Farrellys Ansatz in eine strukturierte Form überführte und so lernbar machte.“

Farrelly selbst hat das nicht getan?

Er hat zwar publiziert, doch in seinen Seminaren und Workshops hatte er wenig Interesse, die Theorie hinter seinem Ansatz auszubreiten. Er hat immer nur demonstriert, wie er arbeitet, und auf Fragen der Teilnehmenden mit Geschichten geantwortet. Da ich selbst aber immer schon besser arbeiten konnte, wenn ich wusste, was ich tat, war es mir wichtig, die Methode genau zu verstehen – und sie auch für andere verständlich zu machen. Allerdings denke auch ich, in Workshops braucht es anfangs keine stundenlangen Erklärungen. Besser ist immer: Man erklärt kurz, man macht dann eine Live-Arbeit, damit die Teilnehmenden sehen, was passiert, und klärt danach in einer Diskussion, was da eben eigentlich abgelaufen ist, welche Logik dahintersteckt.

Was hat dich an Frank Farrellys Ansatz damals derart überzeugt, dass du ihn selbst aufgegriffen hast?

Nachdem ich 1970 mein Diplom in Psychologie gemacht und noch mehrere Zusatzausbildungen absolviert hatte, habe ich 15 Jahre lang sehr orthodox therapiert, also genau so, wie ich es gelernt hatte. Doch nach jeder Therapiestunde fühlte ich mich, als hätte ich Blut gespendet. Ich fand es wahnsinnig anstrengend, mich dauernd an alle möglichen Regeln halten zu müssen, je nach Therapierichtung immer wieder andere. Ich hatte ständig das Gefühl, in einer Zwangsjacke von Vorschriften zu stecken. Und dann kam Frank und hat all diese Vorschriften fröhlich verletzt. Dabei lag mir das provokative Arbeiten wohl auch aus zwei persönlichen Gründen. Erstens komme ich aus einer Herkunftsfamilie, in der wir schon immer recht provokativ miteinander umgegangen sind. Allerdings hätte ich es vor meiner Begegnung mit Frank niemals gewagt, mich so in der Therapie zu verhalten. Und zweitens bin ich ein sehr ungeduldiger Mensch. Deswegen faszinierte mich an der Provokativen Therapie auch, dass man damit Prozesse sehr beschleunigen kann.

„Als ich das erste Mal mit dem Provokativen Ansatz konfrontiert war, klappte mir schier der Unterkiefer herunter: Vordergründig beleidigt man Menschen andauernd, doch diese fühlen sich bestens verstanden.“

Kannst du dich noch an den Moment erinnern, in dem es bei dir Klick gemacht hat?

Mir klappte in Franks Workshop der Unterkiefer herunter, als ich sah, dass er Menschen beleidigte, sie sich aber dennoch bestens von ihm verstanden fühlten. Ich fragte mich, wie das sein konnte. Und fragte dann auch Frank ganz direkt, wobei ich den Verdacht äußerte: „There must be something more.“ Er antwortete mir: „Yes, there is something more“, und lud mich dazu ein, am nächsten Tag mit ihm gemeinsam eine Live-Arbeit zu machen. In der folgenden Nacht zerbrach ich mir den Kopf und grübelte darüber nach, was ich klugerweise in die Sitzung einbringen könnte, doch das hätte ich mir sparen können. Denn in den 25 Minuten, die die Sitzung dauerte, kam ich gar nicht erst dazu, das Problem, das ich mir des Nachts sorgfältig zurechtgelegt hatte, zu formulieren. Frank sprach nur über das, was er im Hier und Jetzt an mir wahrnahm. Das war für mich ebenfalls ein Moment, in dem es Klick gemacht hat. Ich fand es faszinierend, dass man an eine Therapie – oder ein Coaching – herangehen kann, ohne dass man Pläne aufstellt und Regeln aufsetzt, einfach, indem man das wahrnimmt, was da im Hier und Jetzt passiert und versucht, die Gefühle des Gegenübers zu verstehen.

Vielen Dank für Ihr Interesse an diesem Artikel

Lesen Sie jetzt weiter …

… mit unserer Testmitgliedschaft von managerSeminare:

für nur 10 EUR einen Monat lang testen

Zugriff auf alle Artikel von managerSeminare

Sofortrabatte für Bücher, Lernbausteine & Filme

managerSeminare
Wir setzen mit Ihrer Einwilligung Analyse-Cookies ein, um unsere Werbung auszurichten und Ihre Zufriedenheit bei der Nutzung unserer Webseite zu verbessern. Bei dem eingesetzten Dienstleister kann es auch zu einer Datenübermittlung in die USA kommen. Ihre Einwilligung bezieht sich auch auf die Erlaubnis, diese Datenübermittlungen vorzunehmen.

Wenn Sie mit dem Einsatz dieser Cookies einverstanden sind, klicken Sie bitte auf Akzeptieren. Weitere Informationen zur Datenverarbeitung und den damit verbundenen Risiken finden Sie hier.
nach oben Nach oben