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275 Mal am Tag. So oft werden Führungskräfte und Mitarbeitende in ihrer Arbeit unterbrochen – alle zwei Minuten ein Riss im Denken, ein Abbruch im Arbeitsfluss. So zumindest legen es die Daten des Microsoft Work Trend Index 2025 nahe. Und das Erschreckendste daran, findet die Autorin unseres diesmaligen Titelthemas, Wirtschaftspsychologin Vera Starker: Es gilt inzwischen als normal.
Die Aufmerksamkeitsökonomie hat längst die Unternehmen erreicht. Was als Wettbewerb digitaler Plattformen um die Zeit der Nutzerinnen und Nutzer begann, prägt inzwischen die Art, wie Unternehmen intern funktionieren – oder eben auch nicht. Ständige Erreichbarkeit, konkurrierende Projekte, unzählige Meetings: Organisationen, so Starkers These, haben die konzentrationsfeindlichen Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie verinnerlicht.
Save the Date: Die 20. PTT finden am 23./24. April 2027 statt. Location des Gipfeltreffens der Weiterbildung ist erneut der Petersberg nahe Bonn. Tickets gibt es bald hier: petersberger-trainertage.de
Die Zahlen, die sie dafür ins Feld führt, sind ernüchternd. 35 Prozent aller Meetings sind laut einer Erhebung des Think Tanks „Next Work Innovation“ für den jeweiligen Arbeitsschwerpunkt irrelevant. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Arbeitsunterbrechungen beträgt, so rechnet sie vor, 114 Milliarden Euro jährlich. Bemerkenswert ist weniger die Diagnose selbst – Ablenkung und Reizüberflutung sind bekannte Phänomene unserer Zeit. Viel wichtiger ist der Ansatzpunkt, den sie adressiert: nicht das überforderte Individuum, das sich besser konzentrieren soll, sondern die Organisation. Unternehmen, so ihre These, produzieren diese Unkonzentriertheit aktiv – durch ihre Strukturen, ihre Führungskultur, ihren Umgang mit Dringlichkeit. Sie wählt dafür den sprechenden Begriff „Dringlichkeitspolonaise“. Appelle an mehr Selbstdisziplin ändern daran nichts. Was eine fokussierte Organisation stattdessen ausmacht und welche Weichen dafür gestellt sein sollten, beschreibt Starker in diesem Beitrag und zeigt: Konzentration ist eine Kulturaufgabe.
Vera Starker kommt in dieser Ausgabe noch ein zweites Mal zu Wort, denn sie war auch Keynote Speakerin der diesjährigen Petersberger Trainertage. Diese standen unter dem Motto: „Stark im Wandel(n)“ und zeigten deutlich: Wandel scheitert selten an fehlenden Methoden und Tools. Er scheitert am menschlichen Unbewussten. An organisationalen Mustern. An den Paradoxien, die Organisationen von Grund auf ausmachen. Bei der 19. Ausgabe des Gipfeltreffens der Weiterbildung wurde entlang von sechs Keynotes klar: Wer Unternehmen erfolgreich verändern will, braucht kein oberflächliches Change-Tschakka. Es braucht ein tiefes Verständnis für psychologische Dynamiken, einen scharfen Blick aufs System, es braucht den Mut zum Konflikt und die Fähigkeit, Menschen wirklich zu erreichen. Mehr dazu in diesem Beitrag.
Beitrag von Nicole Bußmann aus managerSeminare 339, Juni 2026