Die Weiterbildungslüge

Viel Lärm um nichts?

Wenn man Axel Koch glaubt, wäre heute der "Todestag" von Richard Gris gewesen. Heute nämlich wollte sich Koch eigentlich outen als Autor des Buches "Die Weiterbildungslüge". Nach seiner Aussage hatte er sich den 14. August ausgesucht, den Erscheinungstermin seines Buches vor einem Jahr. Fraglich allerdings, ob sich Koch tatsächlich heute geoutet hätte. Zumindest ist wenig einleuchtend, warum er drei Tage vorher von seinem Plan abrückt, managerSeminare gegenüber seine Identität preis gibt und jetzt so wenig Konkretes und Konstruktives in Händen hält.

Auf seiner Website www.weiterbildungsluege.de kündigt Koch schon lange die "Lösung" der in seinem Buch angesprochenen Probleme an. Eine PR-Masche, keine Frage. Wie wohl das Buch "Die Weiterbildungslüge" insgesamt. Er habe die Branche zum Kochen bringen wollen, erklärt Koch schmunzelnd in Anspielung auf seinen Nachnamen, warum er das Buch geschrieben hat. "Der nächste Streich steht sicher an", so der Trainer aus Oberbayern. Er lässt offen, ob er damit die Verbreitung seiner Antwort auf die Weiterbildungslüge meint.

Was jetzt auf seiner Website als "Lösung" bzw. "Gris-Konzept" zu finden ist, liest sich (noch?) recht schwammig. Sein neues Konzept betreffe die Entwicklung von Soft Skills und beleuchte das Thema Praxistransfer "aus einer bislang wenig beachteten Perspektive", kann man da erfahren. Er führt einen neuen Begriff ins Feld: die Transferstärke. Diese soll aussagen, wie gut eine Person in der Lage ist, Inhalte aus Weiterbildungen in die eigene tägliche Praxis zu bringen. Kenne die Person ihr eigenes Transferstärkenprofil, sei sie in der Lage, ihre Transferstärke zu erhöhen. Dafür hat Koch nach eigener Aussage ein Analysetool entwickelt, das anhand von neun Faktoren die Fähigkeit misst, neues Denken und Verhalten zu erlernen und hinderliche Gewohnheiten zu verändern. Auf welchen wissenschaftlichen Grundlagen das Verfahren fusst bzw. ob und wie es validiert ist, erfährt der Leser der Website nicht.

Erste Personen aus dem Weiterbildungsmarkt haben sich gegenüber managerSeminare skeptisch geäußert, ist Koch doch bisher nicht als ausgewiesener Transfer-Experte in Erscheinung getreten. Seine Publikationen ranken um die Themen Stressabbau, Infotainment, Kommunikation. Koch will sein Konzept wohl aber auch gar nicht dezidiert der Öffentlichkeit vorstellen. Er fürchtet den Ideenklau.

Nach echtem Interesse an einer fachlichen Auseinandersetzung mit den Problemen der Weiterbildungsbranche und dem Suchen nach Lösungen hört sich das freilich nicht an. Ohnehin dürfte es Koch nicht ganz leicht fallen, Auftraggeber wie Kollegen von der Ernsthaftigkeit seines Ansinnens zu überzeugen: erst die Branche in einem Buch beschimpfen und sie vorführen, dann sein eigenes Konzept vermarkten wollen.... und dann gibt es ja auch noch dieses Sprichwort: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er doch die Wahrheit spricht...
14.08.2009
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