Mit dem Sonderzug zum Musterbruch

„Sinnvoll Dinge anders tun“

Wer auf Reisen geht, setzt sich stets der Gefahr aus, Erfahrungen zu machen, die nicht zu den bislang gesammelten passen. Diese Erkenntnis machen sich die Managementberater Musterbrecher zu nutze. Vom 13. bis 14. Juli begeben sie sich mit etwa 30 Teilnehmern auf Expedition. Das Reiseziel: eine Veränderung der Haltung. Die Stationen: zwei innovative Unternehmen. Stefan Kaduk, einer der Initiatoren des Musterbrecher-Express, erläutert die Idee.

Herr Kaduk, in knapp einem Monat geht es los. Zusammen mit einigen Führungskräften begeben Sie sich auf Lernreise. In wenigen Worten: Was ist das Besondere am „Musterbrecher-Express“? Stefan Kaduk: Wir besuchen mit unserem eigenen Musterbrecher-Sonderzug zwei hochspannende Unternehmen, die wir in unserem letzten Buch und in unserem Dokumentarfilm untersucht haben. Es ist aber nicht nur eine Exkursion, denn auch während der Fahrt passiert eine Menge. Managementvordenker Lars Vollmer und Margret Rasfeld, Gründerin von Schule im Aufbruch, werden mit dabei sein. Es gibt an Bord Vorträge und Dialoge, und auf dem Rückweg werden wir in Kleingruppen das Erlebte diskutieren, damit jeder einen Transfer auf seinen individuellen Kontext herstellen kann.

Warum haben Sie als Ort der Begegnung einen Zug gewählt? Eine Metapher?

Ich möchte gar nicht zu viel in dieses Format hineininterpretieren. Aber eine Zugfahrt hat für mich immer noch etwas Magisches, auch wenn ich manchmal die Hälfte der Woche in der Bahn sitze. Und da die Teilnehmer unserer eintägigen Pilotfahrt im vergangenen Jahr vom »Klassenfahrtcharakter mit Lerneffekt« ziemlich angetan waren, haben wir nun das 48-Stunden-Programm aufgelegt.

Sie sind weder die ersten noch die einzigen, die sich mit ihren Teilnehmern auf die Reise begeben. Denken wir nur an die Heerscharen, die aktuell ins Silicon Valley pilgern, um von den Tech-Firmen im mächtigen kalifornischen Tal zu lernen. Wohin führt Ihr Zug, und was kann man bei den einzelnen Stationen lernen?

Das stimmt, die Idee einer Lernreise ist nicht neu. Uns geht es aber weniger darum, auf effiziente Art und Weise besonders spektakuläre Methoden oder Instrumente kennenzulernen. Das wäre der alte Best-Practice-Gedanke. Wir haben mit allsafe JUNGFALK und RWD Schlatter bewusst nur zwei Stationen im Programm: Unsere Gäste sollen genug Zeit haben, Erfahrungen zu sammeln – und nicht nur Erlebnisse konsumieren. Musterbrechen ist eine Haltungsfrage. Die Geschäftsführer der beiden zu besuchenden Firmen, Detlef Lohmann und Roger Herzig, nehmen sich persönlich für unsere Gäste Zeit und bieten ihnen die Gelegenheit, dem besonderen Geist ihrer Organisationen nachzuspüren. Vor Ort ist genug Zeit vorhanden, mit den Verantwortlichen und mit Mitarbeitenden der beiden Unternehmen zu sprechen und diese in ihrem Arbeitskontext zu erleben.

Wie haben Sie die Stationen ausgewählt?

Wir hatten die beiden Firmen bereits für unser letztes Buch unter die Lupe genommen. Beide Firmen »verschwenden« massiv in Menschen, um hochgradig effizient zu sein – nur scheinbar ein Widerspruch. Zudem: allsafe hat sämtliche Abteilungen abgeschafft, interessanterweise in Zusammenarbeit mit den Abteilungsleitern. Bei RWD hält man sich schon lange nicht mehr mit Reportings auf – es gibt seit zehn Jahren keine mehr. Musterbrecher sind für uns Unternehmen, die sinnvoll Dinge anders tun und trotzdem nach klassischem Ermessen erfolgreich sind. allsafe JUNGFALK hat beispielsweise in 13 Jahren den Umsatz vervierfacht, den Gewinn verzwölffacht und die Zahl der Mitarbeitenden fast verdreifacht.

Hand aufs Herz: Glauben Sie, dass die Beschäftigung mit den Firmen, die anders, agiler, innovativer... führen und arbeiten, die Arbeitswelt wirklich verändern kann?

Wenn wir nicht glauben würden, dass neue und im positiven Sinne irritierende Erfahrungen zur Veränderung von Haltungen beitragen können, hätten wir vor über 15 Jahren nicht mit dem Musterbrecher-Forschungsprojekt beginnen dürfen. Klar ist aber auch: Es reicht nicht, sich mit Musterbrechern zu beschäftigen, sondern man muss damit beginnen, selbst Muster zu brechen.

Für welche Art Teilnehmer ist die Lernreise gedacht? Bzw. wer wird sich nicht angesprochen fühlen?

Wer auf Reisen geht, setzt sich stets der Gefahr aus, Erfahrungen zu machen, die nicht zu den bislang gesammelten passen. Stets drohen das Unerwartete und neue Einsichten – wenn man sie denn nicht organisatorisch von vornherein ausschließt. Wer diese Überraschungsmomente schätzt, wird sich im Musterbrecher-Express gut aufgehoben fühlen.

Was ist das Ziel der zwei Tage on the road? Über welches Feedback der Teilnehmer würden Sie sich freuen?

Noch mehr als ein spontanes Feedback nach der Rückkehr würde mich die E-Mail einer Teilnehmerin nach einem Jahr freuen, in der sie berichten würde, dass die Reiseerfahrungen immer noch in ihrem Führungsalltag präsent seien und zu Experimenten geführt hätten. Und natürlich, dass sie ihr gesamtes Team für die nächste Fahrt mit dem Musterbrecher-Express anmelden wird ...

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Foto: Der Musterbrecher-Express ist eine Idee von den Managementberatern Stefan Kaduk (links) und Dirk Osmetz.

Weitere Infos gibt es hier.
16.06.2016
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