Katharina Heuer über die DGFP nach Standortschließungen und Personalabbau

Im Frühjahr vergangenen Jahres sickerte es durch: Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) war in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Zur Konsolidierung wurden unter anderem Standortschließungen und Personalabbau beschlossen. Im Januar nun hat die Personalerorganisation ihre neue Zentrale in Frankfurt bezogen. Katharina Heuer, Geschäftsführerin der DGFP, nimmt Stellung zur aktuellen Situation der Fachorganisation und den Versäumnissen der Vergangenheit.

Die DGFP hat mit Jahresbeginn ihren neuen zentralen Standort in Frankfurt bezogen. Was bedeutet das für die Mitglieder?

Katharina Heuer: Wir sind gut in unseren neuen Büroräumen im ehemaligen Straßenbahn-Depot in Frankfurt-Sachsenhausen angekommen und mit viel Energie ins Jahr 2016 gestartet. Dieser Tatendrang ist hoffentlich auch für unsere Mitglieder spürbar. Dabei ist es mir wichtig zu betonen, dass wir mit unseren Erfahrungsaustauschgruppen, Netzwerkveranstaltungen und Trainings auch weiterhin bundesweit präsent sein werden. Hier ändert sich für die Mitglieder also nichts.

Apropos Erfahrungsaustausch. Wie geht es mit den bundesweiten Aktionen weiter?

Das ist unser Herzstück, auf den Erfahrungsaustausch werden wir künftig noch mehr Augenmerk legen. Eine höhere Beteiligung, mehr Lebendigkeit sowie eine stärkere Themenorientierung sind hier gefragt. Neben dem klassischen Erfahrungsaustausch in festen Gruppen haben wir deshalb im vergangenen Jahr neue Formate eingeführt. Beispielsweise haben wir bereits im Oktober 2015 den ersten thematischen Erfa zur Integration von Flüchtlingen und Migranten in Nürnberg mit sehr positiver Resonanz organisiert. Weitere Treffen in Frankfurt und Hannover folgten, als nächstes steht Bonn auf dem Plan. Ziel ist es, den Austausch in unserem Netzwerk zu aktuellen Themen zu aktivieren – und zwar jeweils schnell und pragmatisch.

Andere Standorte der DGFP mussten geschlossen werden, Personal musste abgebaut werden. Der Grund lag in Verlusten, die DGFP schrieb rote Zahlen. Wie ist es aktuell mit der wirtschaftlichen Situation der Fachorganisation bestellt?

Mit der Konzentration der Vereins- und Geschäftsaktivitäten in Frankfurt haben wir unsere Kostenstrukturen optimieren und unsere Kräfte bündeln können. Übergreifend wird es weiter darum gehen, die internen Prozesse für unsere Mitglieder, Kunden und Geschäftspartner effizienter und effektiver zu gestalten. Erste Akzente für eine offene, attraktive und mitgliederorientierte DGFP konnten wir bereits setzen. Beispielsweise haben wir in unseren Zukunftswerkstätten im Nachgang des vergangenen Kongresses verschiedene Aspekte der Digitalisierung der Arbeitswelt weiter diskutiert und vertieft. Ein Teil des Weges liegt aber noch vor uns. So war ein Grund für die wirtschaftlich schwierige Lage, dass wir unser Leistungsportfolio in den vergangenen Jahren nicht systematisch genug weiterentwickelt und keine Innovationen auf den Weg gebracht haben. Hier haben wir investiert.

Als Grund für die wirtschaftliche Schieflage der DGFP wurde die defizitäre Lage der Akademie angegeben. Wie hat sich die Situation hier entwickelt?

Die DGFP-Akademie hat sich stabilisiert und entwickelt sich gut. Die Straffung des Programms, das kontinuierliche Qualitätsmanagement sowie die systematische Weiterentwicklung des Portfolios machen sich bemerkbar. Insbesondere die enge Zusammenarbeit mit unseren kompetenten und engagierten Trainern und Referenten ist hier ausgesprochen hilfreich.

Schauen wir in die Zukunft: Was will die DGFP von Frankfurt aus bewegen?

Unsere übergreifenden Ziele bleiben eine größere Offenheit, Attraktivität und Mitgliederorientierung. Ende vergangenen Jahres hat die DGFP das Generalsekretariat der European Association for People Management (EAPM) übernommen. Auch hier wollen wir in der nächsten Zeit eigene Akzente setzen. Die Richtung hier ist klar: Die DGFP internationalisiert sich.

Welche Themen wird die DGFP extern weiter treiben?

Derzeit engagieren wir uns gemeinsam mit unseren Mitgliedern insbesondere für die Integration von Flüchtlingen und Migranten. Darüber hinaus treiben wir die Diskussion um die Digitalisierung und die damit einhergehenden neuen Arbeitsmodelle voran, die unter Stichworten wie Arbeit 4.0 gefasst werden. Wir haben dazu zahlreiche Veranstaltungen organisiert beziehungsweise tragen die Themen in unsere Erfa-Kreise und Jahrestagungen. Beide Themen werden auch eine zentrale Rolle beim „DGFP // congress“ am 20. und 21. April 2016 in Berlin spielen. Schließlich geht es um die Frage, in welche Richtung sich die Profession weiterentwickeln wird bzw. muss. HR befindet sich auf dem Prüfstand. Daher muss auch diese Debatte auf konstruktiv-kritische Weise geführt werden, was wir tun. Übergreifend wollen wir der HR-Community und den HR-Themen mehr Gehör in der öffentlichen und politischen Diskussion verleihen. Mit einem eigenen Hauptstadtbüro haben wir hierfür die Voraussetzungen geschaffen. Viele der Projekte der Großen Koalition haben arbeitsmarkt- und personalpolitische Relevanz, unter anderem die Rente mit 63, der Mindestlohn, die Frauenquote oder die Novellierung der Werkverträge.

Foto: Katharina Heuer

26.01.2016
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