Frank Farrelly ist tot

Frank Farrelly ist tot. Der Professor für Psychologie und Sozialarbeit starb vorgestern im Alter von 81 Jahren in Wisconsin. Farrelly gilt als Begründer der Provokativen Therapie, mit der er international in der therapeutischen Arbeit Anerkennung erfahren hat. Die Weiterbildungsbranche beeinflusste er durch den "provokativen Stil", der im beraterischen Kontext, etwa im Coaching, Anwendung findet. Farrelly wurde 1931 geboren und wuchs als neuntes von zwölf Kindern auf einer Farm in Missouri auf. Seinen beruflichen Werdegang begann er als Novize in einem katholischen Kloster. Das endgültige Gelübde legte er nicht ab, stattdessen studierte er klinische Sozialarbeit in Washington, DC. Seine therapeutische Laufbahn begann mit einer Ausbildung in klientenzentrierter Gesprächspsychotherapie bei Carl Rogers, von dessen Arbeit er begeistert war. Schon bald begann er jedoch, seinen eigenen Stil zu entwickeln. Er forderte seine Patienten humorvoll heraus, seine Grundhaltung charakterisierte er als die eines Advocatus Diaboli. Damit war die Provokative Therapie geboren. Farrelly arbeitete mit schizophrenen, drogenabhängigen und schwer depressiven Patienten ebenso wie mit kriminellen Psychopathen. Sein Ziel war es, gerade bei den als hoffnungslos eingeschätzten Patienten einen Durchbruch zu erzielen. Zwischen 1960 und 1993 führte er eine private Praxis.

Als Provokativer Stil findet seine Methode auch Anwendung in beraterischen Kontexten, etwa im Coaching. Der provokative Stil will eine mit Problemen überfrachtete Stimmung unterbrechen und Ressourcen freisetzen. Der Ratsuchende soll selbst aktiv werden. Der Klient wird als mündig betrachtet und somit als fähig, seine Probleme selbst lösen zu können.

Farrelly hatte für seine provokative Therapie 10 Bausteine entwickelt, die sowohl den Charakter von Spielregeln haben als auch dazu dienen, den Teilnehmer zu eigenständigen Lösungen seiner Probleme anzustacheln: 1. ) den guten Draht zum anderen bewahren 2. ) der Trainer/Coach bleibt aktiv 3. ) in das Weltbild des anderen einsteigen 4. ) Persiflieren des Weltbildes (Zerrspiegel) 5. ) Globalisieren bzw. Pauschalisieren des Weltbildes (Stereotype) 6. ) den Advocatus Diaboli spielen 7. ) Begeisterung für das belastende Symptom zeigen 8. ) in Bildern sprechen 9. ) keine Ratschläge geben – höchstens idiotische 10.) hypnotische Kommunikation

Mit Frank Farrelly starb ein bedeutender Therapeut, der die Weiterbildungsszene nachhaltig bereichert hat. In der nächsten Ausgabe von Training aktuell lesen Sie einen Nachruf auf Frank Farrelly - mit Stimmen aus der Branche.

Literaturtipp: Provokatives Coaching: Brechen Sie Tabus!

Foto: provocativetherapy.info
12.02.2013
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