Katharina Heuer

„Der Wunsch nach Flexibilität ist größer denn je“

Seit Februar hat die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) eine neue Vorsitzende der Geschäftsführung: Katharina Heuer. Ihren ersten großen Auftritt in dieser Funktion hatte die erfahrene Personalmanagerin auf dem DGFP-Kongress Mitte Mai in Frankfurt. managerSeminare-Chefredakteurin Nicole Bußmann traf sie zum Gespräch über die Herausforderungen des Personalmanagements.



Sie haben selbst als Personalvorstand gearbeitet, haben also Einblick in das Personalmanagement von Unternehmen – was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für Unternehmen heute?

Katharina Heuer: Das sind für mich die vier großen Megatrends: die Demografie, die Virtualisierung bzw. Digitalisierung, die Globalisierung und der Wertewandel. Diese Trends wirken natürlich in den Unternehmen unterschiedlich stark. Sie alle aber tragen zur Erhöhung der Komplexität bei. Und die zu managen – das ist die größte Herausforderung der Zukunft.

Auf dem DGFP-Kongress haben Sie das Thema Werte stark thematisiert. Warum haben Sie das Thema auf die Agenda gesetzt?

Wir erleben, dass sich unsere Mitgliedsunternehmen sehr intensiv mit dem Thema Werte auseinandersetzen. Warum tun sie das? Zum einen, weil Werte in unsicheren Zeiten Orientierung geben – und die Zeiten sind unsicher geworden. Wirtschaftliche Krisen waren beispielsweise immer auch Vertrauenskrisen. Zum anderen beschäftigen sich die Unternehmen mit Werten, weil sie sie authentisch rüberbringen müssen. Nicht zuletzt, um Mitarbeiter zu rekrutieren – möglichst die richtigen. Und derzeit gilt es, drei unterschiedliche Generationen ins Unternehmen zu integrieren.

Werte können ja bei der Bewältigung von Komplexität helfen. Glauben Sie, dass heute in der Führungskräfteausbildung schon genug Wert auf Werte gelegt wird?

Ich glaube, dass wir da im Umbruch sind. Dass sich die Werte, aber auch die Anforderungen an Führungskräfte verändern. Bei einigen Unternehmen sind die Veränderungen schon eingeflossen in das Anforderungsprofil und damit natürlich auch in die Auswahl und Entwicklung von Führungskräften. Ich glaube aber, dass noch sehr viel mehr Wert auf Werte gelegt werden wird.

Wie beurteilen Sie die derzeitige Führungskräfteausbildung? In vielen Unternehmen werden Führungskräfte ja gar nicht ausgebildet, sie wurden einmal ausgewählt und dann befördert. In größeren Unternehmen gibt es immerhin Führungskräfteentwicklungsprogramme.

Unternehmen tun gut daran, kontinuierlich an der Verbesserung der Führungsqualität zu arbeiten. Das können sie auf unterschiedliche Weise machen: etwa, indem sie gute Auswahlinstrumente für die Rekrutierung und Beförderung von Führungskräften vorhalten. Oder auch, indem sie sich sehr intensiv mit den Anlässen beschäftigt, in denen Führungskräfte Begleitung brauchen. In der Regel ist so ein Anlass, wenn ein Karriereschritt stattfindet oder ein Veränderungsprojekt anliegt. In beiden Fällen steigen die Komplexität und die Anforderungen an die Person, weswegen überlegt werden muss, wie sie auf die neue Situation vorbereitet werden kann. Meiner Meinung nach sollte die Führungskräfteentwicklung und -qualifizierung noch sehr viel stärker anlassorientiert stattfinden als bislang.

Sie haben als große Herausforderung für Unternehmen auch die Digitalisierung genannt. Wo konkret sehen Sie Handlungsbedarf?

Durch die Digitalisierung wird alles schneller, alles beschleunigt sich. Das hat Auswirkungen auf die Erreichbarkeit – wir haben ja durch die virtuelle Vernetzung eine Erreichbarkeit von 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr. Hier eine gute Balance hinzubekommen und einen akzeptablen Umgang mit der Erreichbarkeit für die Unternehmen, für die Führungskräfte und Mitarbeiter auszuhandeln – das ist die große Herausforderung.

Was halten Sie denn von solchen Vorschlägen wie „Handy ausmachen nach Dienstschluss“?

Ich glaube nicht, dass wir alle Mitarbeiter damit erreichen. Der Wunsch nach Flexibilität ist größer denn je, und damit auch ein Wunsch nach Individualität. Mit einer Ansage wie „Du darfst nach 18 Uhr kein Handy mehr benutzen, weil du bis 18 Uhr deine Arbeit getan haben musst“ treffen wir nicht die Bedürfnisse aller.

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Katharina Heuer ist neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. Zuvor war sie bei zwei Konzernen in Führungspositionen im Bereich Personalmanagement tätig: bei Daimler und bei der Deutschen Bahn. Für die Deutsche Bahn hat sie unter anderem den Bereich Management- und Mitarbeiterqualifizierung mit DB Akademie und DB Training aufgebaut. Bis Dezember 2011 war sie Personalvorstand der DB Fernverkehr AG.
13.06.2013
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