Bodo Janssen

„Bei uns sind Führungskräfte Wegbereiter und -begleiter“

Wie einem Unternehmen ein Kulturwandel gelingen kann, zeigt das Beispiel Upstalsboom. Ausgangspunkt für den Change der Hotelkette war eine 2010 durchgeführte Mitarbeiterbefragung. Die Ergebnisse waren sowohl ein Schlag ins Kontor wie auch ins Gesicht. Besonders für Upstalsbooms-Geschäftsführer Bodo Janssen, der vernichtende Kritiken für seine Führungsleistung erhielt. Auf den Petersberger Trainertagen referierte Janssen über seinen Weg vom Saulus zum Paulus einer Führungskraft. Was er als Führungskraft gelernt hat und wie er sein Unternehmen auf den Weg der Wertschätzung geführt hat, erzählt Janssen im Interview mit managerSeminare.

Kamera: Oliver Hartmann, Siegburg




Janssen übernahm das Unternehmen Upstalsboom, nachdem sein Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Damals war der junge Unternehmer noch voll und ganz mit sich im Reinen, ein unbekümmerter Lebemann, der ein großes Büro hatte, einen riesigen Schreibtisch und vor allem das absolute Sagen. „Ich hatte ein Ego, das nicht ansatzweise in den Raum gepasst hätte, dafür aber ein Selbst, das ich auf dem Boden hätte suchen müssen. Ich dachte von mir: Du bist King Louis“, beschrieb der Hotelchef sein früheres aufgeblasenes Ich auf den Petersberger Trainertagen. Seine Mitarbeiter hingegen waren für Janssen nichts anderes als „Mittel zum Zweck“. Dass die Fluktuations- und Krankheitsraten hoch und neue Mitarbeiter schwer zu bekommen waren, brachte Janssen maximal auf die Idee: „Wir müssen etwas gegen das Problem Mensch unternehmen“. Die Zahlen waren schließlich gut.

2010 jedoch kam der Schock: In einer Mitarbeiterbefragung stellten die Hotelangestellten ihrem Big Boss ein vernichtendes Zeugnis aus. Auf die Frage, was sie bräuchten, um besser arbeiten zu können, antworteten sie: vor allem „einen anderen Chef als Bodo Janssen“. Die Konsequenz: Das strahlende Selbstbild des Unternehmers fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen. „Es war der Moment, in dem mein Ego ganz klein wurde“, so Janssen rückblickend.

Janssen flüchtete an einen Ort, der so gar nichts mit seinem bisherigen Leben gemein hatte: ein Kloster. Dort lernte der Unternehmer entscheidende Dinge für sich. Zum Beispiel: Dass die richtige Frage wichtiger ist als die Antwort. Und dass sich jede gute Führungskraft zunächst eine wichtige Frage stellen muss: „Was ist für mich im Leben als Mensch wesentlich? Wofür stehe ich jeden Tag auf?“ Denn, so erkannte Janssen mit der Zeit: Nur, wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen. Was für ihn vor allem bedeute: die Mitarbeiter darin zu stärken, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Für Janssen liegt darin die einzige Legitimation von Führung, wie er auf den Petersberger Trainertagen bekannte: „Menschen darin zu unterstützen, sich selbst zu erkennen.“ Die Folge ist, dass Janssens Mitarbeiter heute in einem völlig anderen Unternehmen arbeiten als noch vor sieben Jahren. Einem Unternehmen, in dem sich Führungskräfte als Coachs bzw. Mentoren ihrer Mitarbeiter verstehen. Einem Unternehmen, in dem gemeinschaftlich definierte Werte gelebt werden sollen und Mitarbeiter angstfrei Probleme ansprechen können.

18.04.2017
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