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Beitrag von Sascha Reimann aus Training aktuell 06/26, Juni 2026
Kein Teppich in den weiten Fluren, schmucklosere Stände und weniger Besucher als im Vorjahr – schon der erste Eindruck, den Besucher der Learntec 2026 bekommen, gibt einen Hinweis darauf, wie es um die Branche steht, die sich auf der größten Kongressmesse zum technisch gestützten Lernen präsentiert: Es war schon mal mehr Lametta. Auf die Stimmung drückt zum einen die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage, die sich traditionell früh und besonders stark auf den Lernbereich auswirkt. Hinzu kommt eine greifbare Verunsicherung, die durch den zunehmenden Druck entsteht, den KI auf die Branche ausübt.
Denn die immer leistungsfähigeren Bots übernehmen inzwischen viele der Leistungen, die noch vor wenigen Jahren das Hauptgeschäft in den Karlsruher Messehallen ausgemacht haben. Auf Anbieterseite fallen damit ganze Branchensegmente weg, etwa die Erstellung von E-Learning-Kursen, Sprachtrainings oder aufwendig produzierten Lernvideos. „Der Content kommt sowieso von der KI“ ist ein Satz, der so oder so ähnlich mehrfach zu hören ist, auch in den Vorträgen auf dem Kongress, der die Messe begleitet. Dort zeigt sich in diesem Jahr verstärkt, dass KI auch auf Anwenderseite immer mehr Funktionen übernimmt – und damit bis dato zentrale Rollen in Personalentwicklung und Weiterbildung infrage stellt.
„Wissen bereitstellen, Inhalte erklären – viele unserer originären Themen werden übernommen“, fasst Nele Graf, die als Professorin an der Hochschule für angewandtes Management zur Zukunft betrieblichen Lernens forscht, die Lage zusammen. Den L&D-Abteilungen gehen nicht nur durch den Technikeinsatz selbst viele Aufgaben verloren, hinzu kommt, dass sich die Konzeption, Erstellung und Durchführung von Schulungen zunehmend in die Fachbereiche verschiebt. Denn die sind inhaltlich näher am Bedarf und können ihn mit KI-Hilfe inzwischen selbst bedienen – und zwar schneller und oft auch besser als beim Weg über die zentrale Personalentwicklung. Neu ist, dass auch übergeordnete L&D-Funktionen wie das Identifizieren von Lernbedarfen oder die Auswahl der passenden Maßnahmen zunehmend automatisiert ablaufen. Sogar individuelles Coaching könne übernommen werden, so Graf weiter.