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Beitrag von Jennifer Stein aus Training aktuell 09/26, September 2026
Konstruktive Meetings und Diskussionen auf Augenhöhe scheinen heute seltener geworden zu sein. Dabei entstehen die besten Lösungen meist dort, wo Menschen faktenbasiert argumentieren, unterschiedliche Sichtweisen mit Geduld und Respekt austauschen und einander aufmerksam zuhören. Wenn Thesen und Gegenthesen offen diskutiert werden, können neue Erkenntnisse entstehen – und mit ihnen innovative Ideen, tragfähige Kompromisse und zukunftsfähige Lösungsansätze. In meiner Arbeit mit Teams in unterschiedlichen Organisationen beobachte ich jedoch zunehmend eine gegenteilige Entwicklung. Der Ton in Meetings wird rauer, Argumente werden zurückgewiesen, bevor sie überhaupt richtig gehört wurden, und neue Vorschläge stoßen häufig auf vorschnelle Kritik oder spürbare Ablehnung – ein Phänomen, das heute als „Semmelweis-Reflex“ bekannt ist. Die Folge: Menschen verlieren den Mut, unkonventionelle Gedanken einzubringen oder bestehende Annahmen infrage zu stellen. Entscheidungen werden vertagt, Frustration nimmt zu und die Zusammenarbeit leidet. Teams geraten in eine Dynamik, die Offenheit und Lernbereitschaft zunehmend erschwert.
An dieser Stelle setzt die Intervention „Gebt Ignaz eine Chance!“ an. Sie soll Teams dazu ermutigen, neue Ideen, unbequeme Fragen und bislang ungehörte Argumente nicht reflexartig abzulehnen, sondern ihnen Aufmerksamkeit und Raum zu geben. Ziel ist es, die Mechanismen des Semmelweis-Reflexes zu durchbrechen und eine Diskussions- und Kommunikationskultur zu fördern, die von Offenheit, Neugier und gegenseitigem Respekt geprägt ist.
Die Intervention „Gebt Ignaz eine Chance!“ soll Teams dazu ermutigen, neue Ideen, unbequeme Fragen und bislang ungehörte Argumente nicht reflexartig abzulehnen, sondern ihnen Aufmerksamkeit und Raum zu geben.
Zu Beginn der Intervention werden die Teilnehmenden begrüßt und zunächst mithilfe einer Storytelling-Sequenz in die Hintergründe des Semmelweis-Reflexes eingeführt. Dabei wird die Geschichte von Ignaz Semmelweis (siehe Kasten „Ignaz Semmelweis und der Semmelweis-Reflex“) erzählt, beispielsweise durch die Führungskraft des Teams.