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Beitrag von Jasmin Bui aus Training aktuell 04/26, April 2026
Konflikte sind weit mehr als bloße Reibungspunkte zwischen Personen. Sie sind Ausdruck von Strukturen, unausgesprochenen Erwartungen, widersprüchlichen Bedürfnissen und organisationalen Spannungen und bergen zugleich ungenutztes Potenzial. Dennoch werden sie in der Team- und Organisationspraxis häufig personalisiert: „XY ist das Problem“, „Die beiden können nicht miteinander“ oder „Das Team macht dicht“ – solche Aussagen verkürzen komplexe Beziehungsgeschehen auf individuelle Schuldzuweisungen. Anstatt Beteiligte zu Schuldigen oder Ursachen zu erklären, können wir den Konflikt jedoch auch als eigenständiges Phänomen betrachten: als ein Beziehungsgeschehen, das sich aus wiederkehrenden Mustern, Kontextbedingungen und gegenseitigen Zuschreibungen entwickelt hat. Der Konflikt gilt dann nicht als Störung, sondern als Signal dafür, an welcher Stelle das System lernen und sich weiterentwickeln kann.
Eine Intervention, die diesen Perspektivwechsel erfahrbar macht, ist das „Zukunftsinterview mit dem Konflikt“. Dabei erhält der Konflikt symbolisch eine eigene Stimme. Er „sitzt“ im Raum, blickt ein Jahr aus der Zukunft zurück, auf eine Zeit, in der er reguliert oder transformiert wurde oder überflüssig geworden ist, und beschreibt, welche Funktion er hatte, was er sichtbar gemacht hat und wie das Team neue Wege im Umgang miteinander gefunden hat. Durch diese veränderte Perspektive werden Konflikte als funktionale Elemente im System erkennbar. Themen, die zuvor im Verborgenen blieben, treten klarer hervor, wiederkehrende Muster lassen sich benennen, und es entstehen lösungsorientierte Handlungsimpulse. Der Blick richtet sich nicht mehr auf die Suche nach Schuld oder Rechtfertigung, sondern auf Reflexion und Entwicklung.