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Beitrag von Jasmin Bui aus Training aktuell 09/25, September 2025
Ein Teammeeting am Montagmorgen. Die Stimmung ist angespannt, der Ton knapp. Zwischen den Zeilen liegt Unausgesprochenes: Frust über nicht eingehaltene Zusagen, Misstrauen gegenüber Entscheidungen „von oben“, Unklarheit über Zuständigkeiten. Zwei Kolleginnen reden demonstrativ nicht mehr miteinander, ein anderer Mitarbeiter hat sich innerlich längst verabschiedet. Jedes Mal, wenn ein Teammitglied das Wort ergreift, wird es emotional. Versuche, das Gespräch zu versachlichen, scheitern an unterschwelligen Spannungen. Kurz: Irgendetwas läuft gewaltig schief – doch niemand weiß so recht, was es ist oder wo sich ansetzen lässt.
Auf den ersten Blick mag ein solches Teamsetting wie ein verwildertes Feld erscheinen – durchzogen von Missverständnissen, Spannungen und unausgesprochenen Erwartungen. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich: Gerade ein solcher Boden, überwuchert von Unkraut und Schlingpflanzen, kann fruchtbar sein – und als Nährboden für Entwicklung, Klärung und gemeinsames Wachstum dienen. Denn Konflikte im Team sind selten bloße Störungen im Miteinander. Sie verweisen oft auf ein komplexes Zusammenspiel zwischenmenschlicher Dynamiken und struktureller Spannungen innerhalb der Organisation. Unklare Rollen, widersprüchliche Erwartungen oder Zielkonflikte zwischen Bereichen wirken häufig im Hintergrund – sichtbar werden sie hingegen auf der Team- oder Beziehungsebene. Dort entladen sich Spannungen, deren Ursachen tiefer im System verankert sind. Somit sind solche Dynamiken keinesfalls Zeichen des Scheiterns eines Teams, sondern Ausdruck dafür, dass etwas in Bewegung ist – oder nicht mehr stimmig erscheint. Sie machen deutlich, wo Verständigung fehlt, wo Potenziale ungenutzt bleiben – und wo es Räume braucht, um gemeinsam Orientierung und Klarheit zu schaffen.