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Beitrag von Laura Nastran aus Training aktuell 03/26, März 2026
„Menschen lernen besser, wenn die Lehrmethoden auf ihren bevorzugten Lernstil – etwa visuell, auditiv oder kinästhetisch – abgestimmt sind.“ Ob diese sogenannte „Matching Hypothesis“ wirklich wirkt, ist seit Jahren umstritten. Eine nun vorliegende Metaanalyse zeigt: Zwar gibt es einen kleinen positiven Effekt. Dieser ist aber selten, methodisch oft schlecht belegt und im Vergleich zu anderen didaktischen Ansätzen relativ gering. Für die Analyse haben Virginia Clinton-Lisell und Christine Litzinger von der Abteilung für Bildung, Gesundheit und Verhaltensstudien der University of North Dakota, USA, 21 Studien mit insgesamt rund 1.700 Teilnehmenden systematisch ausgewertet und die Ergebnisse statistisch zusammengeführt.
Entscheidend für die „Matching Hypothesis“ sind sogenannte Crossover-Interaktionen. Heißt: Wer etwa ein visueller Lerntyp ist, sollte beim Lernen mit Bildern deutlich bessere Ergebnisse erzielen – und umgekehrt mit anderen Methoden schlechter abschneiden. Nur wenn dieser Effekt nachweisbar ist, ließe sich wirklich belegen, dass das Anpassen der Methode an den Lernstil sinnvoll ist. Von allen Studien, die die beiden Forscherinnen analysiert haben, traf dieser Effekt jedoch nur auf rund ein Viertel zu.
Auch unabhängig vom Crossover-Effekt ist die gemessene Wirkung der Anpassung an den Lernstil sehr gering (Effektstärke g = 0,32). Zumal viele der Studien laut Clinton-Lisell und Litzinger Qualitätsmängel aufweisen. Wenn den Studienteilnehmenden vorher gesagt wird, welcher Lerntyp sie sind, könnte etwa ein Erwartungseffekt das Ergebnis beeinflusst haben. Die Forscherinnen bewerten die positive Wirkung der „Matching Hypothesis“ daher insgesamt als zu gering, um den zusätzlichen Aufwand einer konsequenten Umsetzung zu rechtfertigen.
In ihrer Analyse verweisen sie zudem auf didaktische Prinzipien, die in anderen Analysen teilweise größere oder mindestens ebenso große Lerneffekte gezeigt haben. Beispiele hierfür sind das multimodale Lernen (g = 0,70) und das Segmentieren von Inhalten (g = 0,32). Diese Ansätze sind ihrer Einschätzung nach häufig auch mit weniger Aufwand umzusetzen. Hinzu kommt ein grundsätzlicher Einwand: Wer Lernende in Typen einsortiert, läuft Gefahr, den eigenen Blick zu verengen, und riskiert, Menschen auszuschließen, auf die solche Typen nicht zutreffen.