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Praxistest „Werte-Karten“
Praxistest „Werte-Karten“

Erforschung der Wertewelt

Werte beeinflussen, wie Menschen denken, sich verhalten und Entscheidungen treffen. Im Alltag bleiben sie jedoch wenig reflektiert oder sogar unklar. Hier setzen die „Werte-Karten“ von Sandra Brauer an. Mit ihrem Kartenset will die systemische Beraterin und Stressmanagement-Trainerin dazu anregen, die persönliche Wertewelt bewusst zu erkunden und so mehr Klarheit über das eigene Denken, Verhalten und Handeln zu erlangen. Training aktuell hat das Set genauer unter die Lupe genommen.

Das Angebot

„Sich über die eigene Wertewelt bewusster werden.“ Das hat sich die systemische Beraterin und Stressmanagement-Trainerin Sandra Brauer mit ihren „Werte-Karten“ zum Ziel gesetzt. Mit dem Kartenset setzen sich Anwender mit ihren Werten auseinander und reflektieren ihre Bedeutung in konkreten Lebenssituationen. Dadurch soll mehr Klarheit über das eigene Denken, Verhalten sowie Handeln entstehen und eine Basis geschaffen werden, um Veränderungen anzustoßen. Laut Angaben des Anbieters eignet sich das Set sowohl fürs Selbstcoaching als auch als Begleitmaterial für Coaching, Beratung oder Therapie. Erschienen ist das Werte-Kartenset im Junfermann Verlag.

Mit dem Kartenset setzen sich Anwender mit ihren Werten auseinander und reflektieren ihre Bedeutung in konkreten Lebenssituationen.

TA-Check

Das Kartenset kommt in einer stabilen Kartonschachtel daher. Enthalten sind insgesamt 80 Karten – 65 Wertekarten und 15 Fragekarten – allesamt in einem quadratischen Format. Das Design ist einfach und reduziert. Warme Farbtöne, ein helles Gelb und Orange in einem leichten Farbverlauf, prägen das Erscheinungsbild. Alle Karten sind doppelseitig bedruckt. Auf der Vorderseite jeder Werte-Karte steht mittig jeweils ein Wert in Großbuchstaben, etwa „Harmonie“, „Anerkennung“ oder „Akzeptanz“. Auf der Rückseite jeder Karte wird der jeweilige Wert auf der Vorderseite kurz erläutert. Auf der Vorderseite der Frage-Karten befindet sich jeweils ein weißes Fragezeichen. Die Rückseiten zeigen jeweils eine Figur und eine Sprechblase, in der sich eine Frage befindet. Zum Beispiel: „Was schätzen andere an dir?“ Oder: „Was sind Überbleibsel aus deiner Vergangenheit?“ Neben den Karten enthält das Set ein begleitendes Booklet. Der Umschlag greift das reduzierte Design der Karten auf und bleibt auch farblich konsequent in derselben Gestaltungslinie. Inhaltlich liefert das Booklet vertiefende Informationen zum Set. Man erfährt z.B. Genaueres zu den Hintergründen und zum Thema Werte. Darüber hinaus enthält das Booklet Anregungen für die Praxis: Es werden verschiedene Einsatzmöglichkeiten beschrieben und konkrete Anleitungen skizziert.

Nach dem Durchlesen des Booklets beginne ich meinen Praxistest im Selbstcoaching. Gemäß der Anleitung nehme ich ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand, schreibe das Wort „ICH“ darauf und lege das Blatt vor mir auf den Boden. Anschließend greife ich zu dem Stapel mit den Werte-Karten und betrachte Karte für Karte. Ich soll jene Karten auswählen, bei denen ich eine Resonanz spüre (unabhängig davon, ob sie Zustimmung oder Widerstand auslösen) und sie so nah bzw. mit so viel Abstand zum „ICH“ auf dem Blatt anordnen, wie es sich momentan stimmig anfühlt. Die anderen Karten, bei denen ich keine Resonanz spüre, soll ich zur Seite legen. In der Anleitung heißt es, dass man dabei schnell und intuitiv vorgehen soll. Dennoch vergehen rund 15 Minuten, bis ich alle Karten platziert oder aussortiert habe. Das liegt vor allem daran, dass das Lesen der Werte auf den Vorderseiten, verbunden mit der Aufgabe, bei mir automatisch einen Reflexionsprozess auslöst. Ich beginne, über mich selbst nachzudenken, verknüpfe die Werte mit eigenen Erfahrungen und setze mich so mit jeder Karte etwas intensiver auseinander. Außerdem fällt mir die genaue Einordnung nicht immer leicht, da einige Werte inhaltlich nah beieinanderliegen. Insgesamt 42 Karten wähle ich aus. Es entsteht eine großflächige „Kartenskulptur“, die ich zum Abschluss noch einmal in ihrer Gesamtheit betrachte.

Wie in der Anleitung beschrieben, nehme ich mir nun ein Notizbuch und einen Stift zur Hand und widme mich mehreren vertiefenden Fragen zu meinen Werten, die im Booklet aufgeführt sind, z.B.: Wenn du die Werte noch einmal betrachtest, was fällt dir auf? Was assoziierst du mit den einzelnen Werten? An was erinnerst du dich zurück (Familie, Schule, Ausbildung, Beruf)? Welcher der Werte erzeugt bei dir Unbehagen? Meine Gedanken halte ich Schritt für Schritt im Notizbuch fest. Für den Wert „Optimismus“ notiere ich mir z.B. „eine positive Grundhaltung, Vertrauen in gute Entwicklungen, ein Gefühl von Leichtigkeit und Zuversicht“, für den Wert „Neid“ Begriffe wie Missgunst, den Vergleich mit anderen, Unzufriedenheit mit dem eigenen Stand, einen unangenehmen inneren Spannungszustand und Frustration.

Außerdem halte ich konkrete Alltagssituationen fest, die ich mit den jeweiligen Werten in Verbindung bringe. Dabei werden mir Dinge über meine Werte bewusst, die mir zuvor weniger oder gar nicht klar waren. Zum Beispiel, dass ihre Gewichtung stark kontextabhängig sein kann. So spielt der Wert „Sicherheit“ für mich im beruflichen Umfeld eine zentrale Rolle, verbunden etwa mit klaren Prozessen und verlässlichen Abläufen. Im privaten Bereich tritt er dagegen häufiger in den Hintergrund, etwa zugunsten von „Spontanität“ bei der Freizeitgestaltung. Diese Erkenntnisse führen dazu, dass ich auch das Ich-Blatt nochmals überarbeite und einzelne Karten anders anordne. So rückt der Wert „Sicherheit“ z.B. etwas näher an das „ICH“ heran, da ich an seine Bedeutung im beruflichen Kontext beim ersten Teil der Übung noch nicht gedacht hatte.

TA-Eindruck

Das Kartenset hat mich dazu angeregt, mich intensiv mit meinen eigenen Werten auseinanderzusetzen. Durch die Fragen im Booklet konnte ich diese aus verschiedenen Perspektiven reflektieren. Dabei wurden sowohl positive als auch belastende Erinnerungen an frühere Ereignisse, Beziehungen und Erfahrungen wach – im beruflichen ebenso wie im privaten Kontext. In der Rückschau auf konkrete Situationen entstand bei mir mehr Klarheit darüber, warum ich bestimmte Entscheidungen getroffen habe, welche Verhaltensweisen stimmig waren und an welchen Stellen ich mich hätte anders verhalten können oder gemäß meiner Werte sogar müssen. Die Übung machte mir bewusst, dass ich einige Werte bereits stark vertrete, was mein Selbstwertgefühl in diesem Moment stärkte. Gleichzeitig wurde mir bewusst, welche Werte ich bisher nur schwach vertrete, an denen ich aber noch arbeiten will, ebenso welche Werte ich bewusst nicht vertrete und auch künftig nicht vertreten möchte.

IM TEST

Insgesamt hat das Kartenset mein Bewusstsein für meine Werte, mein Denken, Handeln und Verhalten geschärft und mir zugleich klargemacht, an welchen Stellen persönliche Veränderung und Weiterentwicklung möglich sind.

TA-Fazit

Ein gutes Kartenset, um die eigenen Werte zu erkunden und mehr über sich selbst zu erfahren.

Die Autorin: Janine Dengel

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