Organisation

Praxistest „Kugelkurier“
Praxistest „Kugelkurier“

Mit Balance ans Ziel

In einer Arbeitswelt, die sich fortlaufend wandelt und immer wieder von Krisen geprägt ist, gewinnt Teamarbeit zunehmend an Bedeutung. Klare Kommunikation, Austausch, Kooperation und Vertrauen sind zunehmend gefragt, um komplexe Aufgaben gemeinsam erfolgreich zu bewältigen. Hier setzt das Trainingstool „Kugelkurier“ an: Es will dabei unterstützen, diese Aspekte in Teams gezielt zu fördern. Training aktuell hat das Tool einem Praxistest unterzogen.

Das Angebot

Im Team gemeinsam einen Holzball oder ein Holzei mittels Metallring und mehreren Handschnüren von einem Start- zu einem Zielsockel transportieren. Darum geht es bei dem Trainingstool „Kugelkurier“. Damit das gelingt, gilt es laut Anbieter, die Balance zu halten. Dies ist jedoch nur möglich, wenn alle Beteiligten eng zusammenarbeiten, ihre Bewegungen aufeinander abstimmen und sich gegenseitig vertrauen. Das Tool soll insbesondere die Kommunikation, Kooperation, den Austausch und das Vertrauen innerhalb von Teams stärken. Es ist sowohl für den Innen- als auch den Außenbereich geeignet und für Gruppen von drei bis zehn Personen konzipiert. Entwickelt wurde der „Kugelkurier” vom Trainingstool-Anbieter ideen.kollektiv.

Der Kugelkurier soll insbesondere die Kommunikation, Kooperation, den Austausch und das Vertrauen innerhalb von Teams stärken.

TA-Check

„Kugelkurier“ wird in einem großen Karton mit den Maßen 36×29×10 Zentimeter geliefert. Darin befinden sich zehn bunte Handschnüre, zwei Metallringe, ein Start- und ein Zielsockel aus Holz, zehn Augenbinden, ein Holzball, ein Holzei sowie ein Baumwollbeutel, in den alle Materialien für den Transport des Tools hineinpassen. Ebenfalls enthalten ist ein kompaktes Handbuch. In diesem werden die allgemeine Anwendung des Tools Schritt für Schritt erklärt und verschiedene Spielvarianten vorgestellt.

Ich teste den Kugelkurier gemeinsam mit drei Kolleginnen. Zur Vorbereitung machen wir uns zunächst mit der allgemeinen Anwendung des Tools und den verschiedenen Spielvarianten vertraut. Anschließend bauen wir den Start- und den Zielsockel zusammen (dafür müssen jeweils ein Stab und ein runder Fuß miteinander verschraubt werden), und wir befestigen vier der farbigen Handschnüre an einem Metallring. Hierbei wird deutlich, dass die Durchführung deutlich mehr Platz benötigt als zunächst erwartet, da die Schnüre sehr lang sind. Eine misst ca. 240 Zentimeter. Daher entscheiden wir uns spontan, den Test nicht in den Redaktionsräumen, sondern im Hof des Verlagsgebäudes durchzuführen, wo ausreichend Bewegungsfreiheit vorhanden ist. Draußen angekommen, platzieren wir den Start- und Zielsockel und führen den Metallring mit den vier Schnüren über den Stab des Startsockels. Als Transportobjekt wählen wir das Holzei, da es uns wegen seiner Form etwas kniffliger zu handhaben erscheint als der Ball. Wir legen es auf die Spitze des Startsockelstabs. Zwei von uns legen sich die Augenbinden an. Dann geht es los.

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Wir tasten uns vorsichtig an das Tool heran. Jede von uns nimmt eine Schnur in die Hand und stellt sich mit etwas Abstand zum Sockel im Kreis auf. Die Schnüre halten wir, wie in der Anleitung beschrieben, jeweils an den Enden, also ungekürzt, mit einer Hand fest. Zunächst lassen wir sie noch locker hängen und überlegen gemeinsam, wie wir das Ei am besten anheben können. Das erweist sich als gar nicht so einfach. Eine Kollegin vermutet, dass es bereits funktioniert, wenn zwei Personen, die sich gegenüberstehen, ihre Schnüre straff ziehen, während die beiden anderen sie etwas lockerer lassen. Eine andere Kollegin ist überzeugt, dass das Ei nur dann angehoben werden kann, wenn wir alle gleichzeitig kräftig an unseren Schnüren ziehen.

Unser erster Versuch, bei dem wir der ersten Variante folgen, scheitert jedoch unmittelbar: Sobald wir den Metallring ansetzen, kippt das Ei und droht herunterzufallen, sodass wir die Schnüre sofort wieder locker lassen müssen. Auch die zweite Variante bereitet zunächst Schwierigkeiten: Einige von uns halten ihre Schnüre zu locker, während die anderen zu fest daran ziehen. Die sehenden Personen kommunizieren dabei wild durcheinander, während die blinden Personen mehrmals nachfragen, was sie eigentlich machen sollen. Insgesamt fällt das Ei dreimal vom Stab des Sockels herunter. Dann gelingt es uns endlich, die Kräfte gleichmäßig zu verteilen. Wir heben das Ei auf dem Metallring auf eine angenehme Höhe, sodass sich beim Transport niemand von uns bücken oder strecken muss. Mit sehr langsamer Geschwindigkeit bewegen wir uns so in Richtung Zielsockel. Die sehenden Personen koordinieren, während die blinden Personen in kurzen, vorsichtigen Schritten folgen. Die Balance lässt sich gut halten, das Ei bleibt stabil im Metallring fixiert und zeigt keine Bewegung. Lediglich eine der blinden Kolleginnen wirkt zeitweise unsicher, und erkundigt sich wiederholt nach dem aktuellen Standort und der noch zu bewältigenden Distanz bis zum Ziel. Am Ziel angekommen, zeigen sich erneut Probleme bei der Kräfteverteilung, die sogar noch stärker ausgeprägt sind als am Start. Zunächst herrscht wieder ein Durcheinander, da die sehenden Personen sich oft uneinig darüber sind, wie stark einzelne Beteiligte an der Schnur ziehen müssen, um das Ei kontrolliert auf der Spitze des Zielsockels abzusetzen. Es wird wieder zu stark bzw. zu schwach an den Schnüren gezogen, sodass das Ei hin- und herschwankt und zwischenzeitlich wieder herunterzufallen droht. Selbst kleinste Fehlsteuerungen beeinträchtigen die Stabilität. Es dauert einige Zeit, doch letztlich gelingt es uns, das Ei erfolgreich abzulegen.

Das hat Spaß gemacht, sodass wir beschließen, eine weitere Runde mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad durchzuführen. Wir bauen einen Hindernisparcours mit Stühlen auf und platzieren den Zielsockel an einer anderen Stelle auf einem Stuhl. Dieses Mal verbinden sich zwei andere Personen die Augen, und wir starten. Es zeigen sich erneut Herausforderungen beim Anheben des Eis aufgrund der Kräfteverteilung innerhalb unserer Gruppe. Insgesamt verläuft dies jedoch besser und schneller als zuvor: Das Ei bleibt relativ stabil innerhalb des Metallrings und fällt nicht zu Boden. Wir heben das Ei wieder auf eine angenehme Transporthöhe. Die sehenden Personen koordinieren, die blinden orientieren sich an ihren Anweisungen.

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Der Transport des Eis zum Ziel gelingt trotz der Hindernisse sehr gut. Die sehenden Personen koordinieren die blinden Personen so effektiv, dass es zu keinen Kollisionen kommt. Auch die Kräfteverteilung erweist sich durchweg als stabil, sodass die Balance bis zum Ziel jederzeit gehalten wird. Schwierigkeiten treten jedoch erneut bei der Platzierung des Eis auf dem Zielsockel auf, insbesondere, da dieser sich dieses Mal auf einem Stuhl befindet. Mehrere Versuche bleiben erfolglos, und letztlich fällt das Ei hinunter.

TA-Eindruck

Der Ablauf der Übung wirkte auf uns in der Theorie zunächst simpel, erwies sich in der praktischen Umsetzung jedoch als deutlich anspruchsvoller als erwartet. Besonders herausfordernd waren die Start- und Endphase, da es schwierig war, die Kräfte so zu koordinieren, dass das Ei kontrolliert angehoben und wieder abgesetzt werden konnte. Vergleichsweise leichter war der Weg vom Start zum Ziel. Dennoch war auch hier eine enge Abstimmung erforderlich, damit die Balance erhalten blieb und das Ei sicher transportiert werden konnte.

IM TEST

In der anschließenden Reflexionsrunde waren sich alle einig, dass die Durchführung als sehr positiv und zugleich lehrreich erlebt wurde. Die Übung hat nicht nur Spaß gemacht, sondern auch die Zusammenarbeit und Kommunikation innerhalb der Gruppe verbessert. Zwei Kolleginnen berichteten zudem, dass sie sich in der Rolle der „blinden“ Person zeitweise unsicher gefühlt hätten. Ihnen fehlte die räumliche Orientierung, sie konnten nicht genau einschätzen, an welcher Position sie sich gerade befanden, und hatten Angst, mit Gegenständen zu kollidieren. Diese Unsicherheit nahm jedoch im Verlauf der Übung ab, da sie zunehmend Vertrauen zu den sehenden, koordinierenden Kolleginnen fassten.

TA-Fazit

Ein gutes Trainingstool, das Spaß macht und die Teamarbeit verbessert.

Die Autorin: Janine Dengel

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