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Beitrag von Horst Lempart aus Training aktuell 07/26, Juli 2026
Stellen Sie sich vor, jemand rät dazu, Eisdielen zu schließen, um Badeunfälle zu reduzieren. Klingt absurd? Ist es auch. Trotzdem fallen wir im Alltag ständig auf genau diese Logik herein: Zwei Dinge passieren gleichzeitig und schon vermutet unser Gehirn einen Zusammenhang. Dabei heißt der wahre Übeltäter in diesem Fall Sommer: Viel Sonne lockt viele Schleckermäuler in die Eisdielen und viele Badegäste an die Seen und Flüsse. Ganz ohne geheimen Eis-Tod-Zusammenhang.
Willkommen in der wunderbaren Welt der Korrelationen, wo Fakten harmonisch miteinander in Beziehung gebracht werden, obwohl sie gar nichts miteinander zu tun haben. Und willkommen im Kopf, der diese Begegnung reflexartig zu einer Liebesbeziehung erklärt. Denn unser Gehirn liebt Muster. Wenn Dinge gleichzeitig passieren, klebt es sie gedanklich zusammen, auch wenn sie keinerlei Verbindung haben.
Die Psychologie hat dafür einen hübschen Namen: Kausalitätsbias – die Neigung, aus einer Korrelation eine Ursache-Wirkung-Beziehung zu machen. Diese Denkfalle ist so gut erforscht wie beliebt. Psychologische Studien zeigen immer wieder: Menschen bevorzugen einfache Erklärungen, selbst wenn diese falsch sind. Zufall ist langweilig. Komplexität ist anstrengend. Kausalität ist sexy.
Psychologische Studien zeigen immer wieder: Menschen bevorzugen einfache Erklärungen, selbst wenn diese falsch sind.
Im privaten Bereich führt der Kausalitätsbias meist nur zu lustigen Anekdoten. Im Unternehmenskontext hingegen kann er Projekte, Budgets und Karrieren komplett zerlegen. Etwa, wenn falsche Entscheidungen durch scheinbar klare Daten getroffen werden: Wenn der Umsatz steigt und gleichzeitig eine Marketingkampagne läuft, muss sie doch wirken? Oder eben nicht. Vielleicht war es der Wetterumschwung, die Ferienzeit oder ein Wettbewerber, der Mist gebaut hat. Wer hier blind eine Kausalität annimmt, investiert schnell in die falsche Richtung. Wie kommt man solchen Denkfehlern also auf die Schliche?
Wenn wir eine Ursache vermuten, ist die Schuldfrage meist nicht weit. Und genau deshalb ist es so wertvoll, Ereignisse auch mal getrennt voneinander stehen zu lassen. Manchmal ist das Leben nämlich kein Roman, sondern eher ein chaotischer Episodenfilm ohne logische Struktur. Korrelation ist nicht Kausalität. Aber sie ist ein wunderbarer Reminder, dass wir Menschen gern einfache Geschichten erzählen – auch wenn die Realität komplexer ist.
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