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Beitrag von Klaus Eidenschink aus Training aktuell 03/26, März 2026
Ein anscheinend wichtiger Unterschied zwischen Coaching und Psychotherapie ist, dass Coachs weniger Zeit mit ihren Klienten haben, um „Besserung zu erzielen“. Da nimmt es nicht wunder, dass Konzepte im Coaching attraktiv sind, die eine schnelle Besserung oder Zielerreichung versprechen. Coachs werben nicht selten auch damit, wie rasch sie ihren Klienten helfen. Nur – was ist, wenn genau dieses Leistungsversprechen einen grundlegenden Strickfehler hat?
Anders als Training, das sich auf die Weiterentwicklung bestehender Fähigkeiten richtet, erhebt Coaching darüber hinaus den Anspruch, persönliche Muster des Erlebens,Verhaltens und Wollens zu verändern– also nicht mehr und Besseres vom Selben zu erlangen, sondern den Boden zu bereiten, dass neue, andere, flexiblere Möglichkeiten in der Ausübung von beruflichen Rollen möglich werden. Es gibt keine Ordnungs-Ordnungs-Übergänge, wie schon Peter Kruse in seinem Buch „next practice“ von 2004 erläuterte. Man kommt nicht von einer Sicherheit unmittelbar in die nächste. Das müssen allen voran Coachs wissen. Wer seinen Klienten direkte, anstrengungslose und angstfreie Veränderungen verspricht, lügt oder weiß es nicht besser. Prozessmusterwechsel – ein Fachwort für Änderungen von Gewohnheiten – laufen über Krisen! Erst darüber lassen sich neue stabile Ebenen erreichen.
Wer als Coach seinen Klienten direkte, anstrengungslose und angstfreie Veränderungen verspricht, lügt oder weiß es nicht besser.
Was passiert also mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, wenn Menschen gutes Coaching oder Therapie erleben? Sie stellen fest, dass das nicht so funktioniert, wie beim Arzt, der einem Tabletten verschreibt, und dann verschwinden die Symptome. Stattdessen entstehen Ängste. Sie spüren Unvertrautes. Es kommt Sand ins Getriebe. Das sind allesamt Phänomene, mit denen man nicht wirklich gerechnet hat. Genau hier – in der Verarbeitung der ersten unerwarteten Effekte – ist der Punkt, an dem sich manche Menschen entscheiden: „Das habe ich doch so nicht gewollt!“ Also was tun? Denn der Abbruch der Beratung mit der ehrlichen Selbsteinschätzung „Ich fühle mich nicht mutig genug!“ fällt vielen schwer. Auch will man dem Coach oder Therapeuten nicht „weh“ tun.