Für alle Fragen rund um unsere Webseite, unsere Medien und Abonnements finden Sie hier den passenden Ansprechpartner:
Übersicht Ansprechpartner
Beitrag von Henning Beck aus managerSeminare 338, Mai 2026
Haben Sie schon mal versucht, einen Spielsüchtigen von einem Glücksspielautomaten abzulenken? Es ist praktisch unmöglich. Ständig beschwert man sich heutzutage darüber, dass sich Menschen keine paar Sekunden mehr am Stück auf eine Sache konzentrieren können – doch glücksspielende Menschen beweisen das Gegenteil. Sie sind derart fokussiert, dass sie die Welt um sich herum vergessen. Kein Wunder, dass man mit dieser Konzentrationsfähigkeit viel Geld verdient. Der Markt für Glücksspiele in Deutschland wird auf knapp 15 Milliarden Euro geschätzt und ist damit etwa doppelt so groß wie der hiesige Biermarkt.
Offenbar sind Menschen gut in der Lage, sich für lange Zeit nicht ablenken zu lassen. Eine kanadische Forschergruppe fand 2022 sogar heraus, dass es verblüffend leicht ist, in dieses Denkmuster zu kommen. Sie setzte 60 Nichtspielsüchtige vor einen Spielautomaten und ließ die Teilnehmer für etwa zwanzig Minuten spielen. Gerade einmal zwei dieser Spielrunden reichten, damit die Teilnehmer ein festes Handlungsmuster aufgebaut hatten. Der Grund: Glücksspiele (und auch Social Media Apps oder Spiele auf dem Smartphone) sind genau so konzipiert, dass sie unsere Konzentrationsfähigkeit perfekt nutzen. Der Schwierigkeitsgrad ist schwer genug, dass man die Aufgabe nicht nebenbei erledigen kann – aber leicht genug, damit man nicht überfordert ist. Die Aufgaben wechseln sich immer wieder etwas ab – aber nicht so sehr, dass man den Überblick verliert. Es gibt immer wieder kleine Bestätigungen des eigenen Erfolgs – aber nicht zu viele, sodass man immer gefordert bleibt.
Diese Ansätze kann man sich zunutze machen, wenn man nicht gerade sein Geld beim Glücksspiel verjuxen oder seine Zeit auf einer Spieleapp verdaddeln will. Denn interessanterweise bauen Flow-Erlebnisse genau auf denselben Prinzipien auf. Untersucht man die Gehirnaktivität, während Menschen in einem Flow-Zustand sind, stellt sich nämlich heraus: Das Gehirn ist extrem fokussiert auf die konkrete Tätigkeit und blendet auch den kleinsten störenden Reiz aus: Man will das umsetzen, was man gerade im Kopf hat. Hinzu kommt, dass dieser Zustand als besonders positiv beschrieben wird – allerdings nicht als rauschhaftes Erlebnis, sondern vielmehr als Zustand der angstfreien Produktivität. Als wäre man motiviert, weil man wenig zweifelt.
Im Grunde können Sie den Flow also anlocken, wenn Sie sich das Konzept von Spielautomaten zunutze machen. Erstens: Finden Sie Ihren „Sweet Spot“ der Leistungsfähigkeit. Fangen Sie mit einer Aufgabe leicht unterhalb Ihres maximalen Leistungsvermögens an, und steigern Sie den Schwierigkeitsgrad stückweise, sobald Sie merken, dass Sie unterfordert sind (bauen Sie noch eine Zusatzaufgabe ein oder verknappen Sie die Zeit). Zweitens: Setzen Sie sich messbare und erreichbare Ziele. Menschen kommen erwiesenermaßen leichter in den Flow-Zustand, wenn sie zu Beginn ihres Arbeitstages genau drei Ziele definieren, die sie erreichen wollen. Der Grund: Eine Zielerreichung wirkt wie eine Belohnung und Flow stellt sich ein, wenn man unmittelbar erlebt, dass sich die eigene Leistung lohnt. Drittens: Ein Flow-Erlebnis kommt nicht sofort, sondern mit Übung, sobald man eine Aufgabe wirklich routiniert erledigen kann. Beharrlichkeit wird beim Flow oft unterschätzt. Strengen Sie sich also am Anfang ein bisschen an. Umso leichter wird später das Flow-Erlebnis sein – und im besten Fall werden Sie kaum noch davon wegkommen.
Der Autor: Henning Beck ist Neurowissenschaftler, und zwar einer der verständlichen. In Vorträgen und Seminaren vermittelt er die spannenden Themen des Gehirns. Sein aktuelles Buch heißt „Besser denken –Fokussieren, Verstehen, Entscheiden“. Kontakt: henning-beck.com
Sie möchten regelmäßig Beiträge des Magazins lesen?
Als Neukunde können Sie die Mitgliedschaft von managerSeminare jetzt drei Monate lang kostenfrei testen und von vielen weiteren Vorteilen profitieren.