Management

Veränderungsfähigkeit stärken
Veränderungsfähigkeit stärken

Die verlernende Organisation

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Organisationen müssen in einer volatilen Welt nicht nur lernen, sondern auch verlernen, um anschlussfähig zu bleiben. Will heißen: Sie müssen eingetretene Denk- und Handlungspfade bewusst verlassen. Doch fürs Verlernen sind Systeme – ob biologische wie das menschliche Gehirn oder soziale wie Organisationen – nicht gemacht. Sie halten lieber an dem fest, was bisher funktioniert hat. Unmöglich ist Verlernen dennoch nicht. Der Schlüssel liegt in klugen Störungen an der Schnittstelle zwischen Psychologie und systemtheoretisch fundierter Organisationsgestaltung.

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Primat der Selbsterhaltung: Warum biologische, psychische und soziale Systeme nicht in erster Linie innovativ sind

Gestern nützlich, heute problematisch: Wieso Unternehmen das Verlernen schwerfällt

System-Rauschen als Bedingung: Warum Verlernen Variation im sozialen System voraussetzt

Menschliche Hürden verstehen: Wie Verlustängste organisationale Entwicklung ausbremsen

Verlernen mit Methode: Was hilft, bestehende Muster zu durchbrechen und ad acta zu legen


Cover managerSeminare 341 vom 31.07.2026Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 341

„Das haben wir schon immer so gemacht.“ Wer hat diesen Satz im Job nicht schon einmal gehört? Während fast alle Unternehmen nach Innovation rufen, ersticken gute Ideen in der Praxis häufig an der bequemen Causa finita. Oder anders formuliert: Sie prallen an Strukturen, Routinen und Prozessen ab, die einst Sicherheit gaben, aber irgendwann zum Bremsklotz geworden sind. In einer dynamischen, komplexen Welt passiert das immer schneller: Die Gegebenheiten in Organisationen passen nicht mehr zu neuen Bedingungen; Erfahrung wird zum Hindernis, statt weiterhin ein Vorteil zu sein.

Was Unternehmen unter diesen Bedingungen eigentlich lernen müssten, ist das Verlernen. Verlernen nicht verstanden als Vergessen von Wissen oder Kompetenzen, sondern als die Nichtfortführung bisher etablierter Muster und Routinen. Als die bewusste Hinterfragung und Aufgabe bislang unhinterfragt ablaufender Verhaltens- oder Verfahrensweisen. Und deren Ersatz durch etwas Neues, das besser zu veränderten Rahmenbedingungen passt, bevor das System wieder in einen Routinemodus fällt. Dieser Prozess ist jedoch alles andere als einfach. Denn Systeme sind primär auf Selbsterhalt und Stabilität ausgerichtet und nicht auf ein regelmäßiges, aus sich selbst heraus evoziertes Verlernen bestehender Muster.

Gehirne streben nach Selbsterhalt, nicht Veränderung

Besonders eindrücklich zeigt sich das an einem biologischen System, dem menschlichen Gehirn. Unser Gehirn ist nichts anderes als eine lebenslange Baustelle, die sich durch synaptische Umbauprozesse ununterbrochen selbst reproduziert. Dabei dient jeder neue „neuronale Ziegelstein“ primär der Homöostase, dem Erhalt eines stabilen inneren Gleichgewichts. Das Gehirn will in erster Linie nicht innovativ sein, es will unser Überleben sichern. Das tut es unter anderem, indem es energiesparende Routinen ausbildet. Durch Myelinisierung isoliert es Nervenbahnen, die häufig genutzt werden, mit einer dicken Schicht aus Fett und Protein. Das Ergebnis ist eine „neuronale Autobahn“, durch die Informationen besonders schnell hindurchschießen, ohne dass das Bewusstsein eingreifen muss. Diese biologische Anpassung, um Energie zu sparen, ist wichtig, um den Kopf für strategische Aufgaben im präfrontalen Kortex freizuhalten.

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