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Beitrag von Svenja Hofert aus managerSeminare 336, März 2026
Organisationen im Coaching-Boom: Warum es für Unternehmen naheliegend ist, auf Coaching zu setzen
Falsche Kausalitäten: Was Inner Work für Unternehmen tun soll, aber nicht tun kann
Ungünstige Vermischung: Warum sich Organisationen keinen Gefallen tun, wenn sie nicht zwischen leistungsorientiertem und menschenzentriertem Coaching unterscheiden
Ethikproblem: Wann Inner Work in Unternehmen übergriffig wird
Wirksamkeitsproblem: Wieso Unternehmen mit Inner Work selten ihre Probleme lösen und wie sie es könnten
Hier geht es zur gesamten Ausgabe managerSeminare 336
Hans-Jürgen ist Abteilungsleiter in einem Pharmaunternehmen. In der Corona-Zeit hat er den Ansatz „Inner Work“ für sich und sein Team entdeckt. Es geht dabei um Selbstwahrnehmung, Emotionsarbeit, innere Anteile und biografische Themen. Es geht um Methoden zur Reflexion des eigenen Denkens und Fühlens und um Achtsamkeit. Hans-Jürgens Mitarbeitende waren im Homeoffice, und das Thema „Agile“ hatte gerade Hochkonjunktur. Von der Wirtschaftskrise noch keine Spur.
Wie so viele andere führte auch Hans-Jürgen von der morgendlichen Achtsamkeitsübung über den „emotionalen Check-in“ bei Meetings bis zur Arbeit mit dem „Inneren Team“ allerlei Neues in seinem Team ein. In einer Coachingausbildung hatte er Marie kennengelernt, die als Agile Coach tätig ist. Sie weckte mit ihrer festen Überzeugung, dass ein reflektierendes, achtsames Team automatisch auch „agiler“ sein würde, sein Interesse. „Agiler“ bedeutete für ihn schneller und produktiver. Und das war es schließlich, was die Unternehmensspitze von ihm erwartete, auch wenn die Zeit gerade stillstand. Die digitale Transformation forderte grundlegende Veränderungen. Also engagierte Hans-Jürgen Marie. Dass ein Teil seines Teams verhalten auf das Teamcoaching – respektive „Psychogedöns“ – reagierte, wertete er nicht als funktionale Abwehr, sondern als Zeichen, dass ein Teil seiner Leute „einfach noch nicht so weit“ war. Das Wort von der „persönlichen Reife“ machte die Runde; und natürlich meinten Hans-Jürgen und Marie sich selbst, wenn sie einigen eine „höhere persönliche Reife“ zusprachen als anderen. Agil ist mittlerweile wieder aus dem Sprachgebrauch von Hans-Jürgens Organisation verschwunden. Die Wirtschaftskrise hat voll durchgeschlagen. Wie in so vielen Firmen gibt es auch in seinem Unternehmen Entlassungen. Man steht wieder in Konkurrenz, auch untereinander. Und kürzlich ist es dann passiert: Einer seiner internen Wettbewerber hat sich — mitten im Meeting – über Hans-Jürgens „Psychoexperimente“ lustig gemacht. Hans-Jürgen ist beschädigt, Marie indes verkauft anderen Unternehmen immer noch „Inner Work“.
Ich kann viele solcher Anekdoten erzählen. Und meist lachen die Teilnehmenden in meinen Veranstaltungen, weil sie ähnliche Geschichten kennen. Die digitale Transformation fordert seit Jahren ihren Tribut, Organisationen wandeln sich immer schneller, und die Menschen sollen dabei „mitgehen“. Angesichts dessen kommt nicht wenigen unter Druck stehenden Führungskräften ein Gedanke: Coaching könnte helfen! Nicht mehr nur das klassische, oft auf Führungspersonen bezogene Einzelcoaching, sondern auch Gruppen- und Teamcoaching, in dem die Teammitglieder gemeinsam über sich und ihre Beziehung zueinander reflektieren.