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Beitrag von Nils-Torge Telle und Fabio Ibrahim aus managerSeminare 341, August 2026
Routinen, also eingeschliffene Prozesse nach der Logik „Wenn a, dann b“, sind effizient, weil sie entlasten. Genau das macht sie aber auch resistent gegenüber Veränderung. Ein Pattern Interrupt unterbricht eine automatisierte Routine an einem unerwarteten Punkt – und zwingt auf diese Art dazu, sich des eingeschliffenen Prozesses bewusst zu werden, eine neue Perspektive einzunehmen und zu entscheiden: Ist der Prozess noch immer optimal designt oder so nicht mehr sinnvoll? So funktioniert es: Verändern Sie eine vertraute Situation gezielt. Auf Individualebene kann das bedeuten: Stellen Sie in Ihrem nächsten Meeting als Erstes eine Frage, statt Informationen zu präsentieren, oder halten Sie Ihr nächstes Einzelgespräch im Gehen statt am Schreibtisch ab. Auf organisationaler Ebene kann es heißen: Führen Sie eine neue Regel für Meetings ein, z.B.: Jedes wiederkehrende Meeting endet automatisch nach zehn Wochen, anstatt einfach immer weiterzulaufen. Wer es erhalten will, muss das aktiv begründen.
Große Veränderungen lösen häufig Abwehr aus. Kleine, stetige Neuerungen hingegen halten das System in einem Zustand der Lernbereitschaft, ohne Alarm zu schlagen. So funktioniert es: Integrieren Sie täglich minimale Abweichungen vom Standard: eine neue Frage(technik) im Jour fixe, ein unbekanntes Tool für eine vertraute Aufgabe. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die Größe des neuen Reizes. Etablieren Sie im Team zudem eine kurze wöchentliche Runde oder setzen Sie es als festen Tagesordnungspunkt auf die Teammeeting-Agenda: „Was haben wir diese Woche anders gemacht – und was hat das ausgelöst?“
Hinter jeder Routine steckt mindestens eine Annahme, die irgendwann einmal stimmte – eine Annahme über den Markt, die Kunden oder die Technik. Das Problem dabei: Das System vergisst, diese Annahmen zu hinterfragen. Sie werden zum „blinden Fleck“ der Organisation und bleiben auch dann bestehen, wenn sie gar nicht mehr zutreffend sind. Man muss sie sich gezielt ins Bewusstsein rufen, um prüfen zu können, ob eine Routine, ein Prozess überhaupt noch sinnvoll ist. So funktioniert es: Wählen Sie einen zentralen und routinierten Prozess aus – am besten einen, bei der das Team reflexartig antwortet: „Das machen wir schon immer so“. Stellen Sie dann folgende Fragen.