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Beitrag von Das Interview führte Sylvia Lipkowski aus managerSeminare 341, August 2026
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Introvertiert, extrovertiert – diese Unterscheidung kennt jeder. Warum reicht sie Ihnen nicht, Dr. Kaminski?
Dr. Rami Kaminski: Im Grunde hat alles als Gedankenspiel angefangen, weil ich mir Dinge erklären wollte, die sich nicht in die vorhandenen Schemata pressen ließen. Dazu gehörten viele Fälle in meiner Praxis als Psychiater und Psychotherapeut. Die betreffenden Menschen zeigten abweichende Verhaltensweisen und hatten Symptome entwickelt, die als psychische Krankheiten interpretiert wurden. Aber alle Diagnosen passten nicht recht, und deshalb schlugen auch die psychiatrischen Behandlungen nicht an. Also habe ich genauer hingeschaut und festgestellt, dass diese Menschen vor allem daran scheiterten, gesellschaftliche, berufliche oder familiäre Erwartungen zu erfüllen – und dass sie sehr darunter litten. Meine These war, dass sie das nicht konnten, weil sie einfach nicht gemeinschaftsorientiert waren. Alle gängigen Persönlichkeitsprofile haben aber Elemente, mit denen sie Individuen über ihr Verhältnis zu Gruppen clustern. Die meisten Modelle gehen davon aus, dass soziale Zugehörigkeit entweder anregend oder kräftezehrend ist – aber von allen grundsätzlich angestrebt wird. Das gilt nicht nur für das heute verbreitete Modell von Carl Gustav Jung, sondern z.B. auch für die Big 5. Also habe ich den otrovertierten Persönlichkeitstypus entwickelt, der Menschen beschreibt, die außerhalb diese Spektrums stehen.